Job inside: Fachkraft - Kreislauf- und Abfallwirtschaft

Wie aus Abfall wieder Rohstoff wird

Während der Schulzeit machte sich Corinna viele Gedanken über ihre Berufswahl. Durch ein Praktikum hat sie den Beruf Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft für sich entdeckt - für sie genau das Richtige.

Eine Auszubildende überprüft den pH-Wert einer Flüssigkeit.
Beim pH-Test bestimmt Corinna, ob es sich bei einer Flüssigkeit um Säure oder Lauge handelt.

Nach der mittleren Reife ging Corinna weiter zur Schule, um ihr Abitur zu machen. In diese Zeit fiel auch ihr Praktikum bei der Hubert Schmid Recycling und Umweltschutz GmbH in Marktoberdorf. "Ich konnte dort verschiedene Abteilungen durchlaufen. Da das Betriebsklima sehr gut war, habe ich mich dort sehr wohl gefühlt. Deswegen habe ich mich für eine Ausbildung in diesem Unternehmen entschieden", erzählt sie. Corinna setzte sich mit allen zwölf verschiedenen Ausbildungsberufen auseinander, die dort angeboten werden, und glich die Tätigkeiten mit ihren Interessen ab. Nach diesem Verfahren kam sie zum Beruf Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. "Ich habe es keinen Tag bereut, dass ich mich für diese Ausbildung entschieden habe", sagt sie heute.

Sortieren und Verarbeiten

Eine Auszubildende sortiert Chemikalien.
Beim Sortieren der Chemikalien muss Corinna besonders sorgfältig sein.

Bei Abfall denken die meisten eher an Umweltverschmutzung statt an Umweltschutz. Bei Corinna ist das anders: "Abfälle sind Rohstoffe. Zu meinen Aufgaben gehört es, sie zu bestimmen, zu sortieren und mich dann um die Weiterverarbeitung zu kümmern. Bekommen wir beispielsweise Holz geliefert, muss ich entscheiden, zu welcher Gruppe es gehört. Bei Holz gibt es die Kategorien A1 bis A4. Das ist eine Skala von ‚sehr gut‘ bis ‚schlecht‘ und entscheidet darüber, ob das Holz recycelt oder verbrannt wird. Anschließend beauftrage ich unterschiedliche Unternehmen damit, die Stoffe abzuholen. Manchmal geht das Material in die Müllverbrennungsanlage. Oft sind es aber Recyclingfirmen, die die Stoffe weiterverarbeiten."

Materialien bestimmen

Für diesen Beruf ist Materialkunde sehr wichtig. Corinna muss nicht nur Holz, sondern unter anderem Metalle, Chemikalien und Kunststoffe, aber auch Elektrogeräte genau bestimmen können. "Gerade bei Chemikalien ist das häufig schwer. Wir selbst können im ersten Moment nur einen pH-Test durchführen und die Gefäße sicher aufbewahren, bis sie abgeholt werden. Andere Recyclingunternehmen haben aber auch richtige Labore", sagt sie. Ein pH-Test bestimmt den Säuregehalt in Stoffen. Ist dieser sehr gering beziehungsweise gar nicht vorhanden, handelt es sich um eine Lauge, sonst um eine Säure. Dementsprechend werden die Chemikalien sortiert und sicher aufbewahrt. Neben Chemiekenntnissen brauchen Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft technisches Verständnis und soziale Kompetenz. "Kundenkontakt ist ein großer Bestandteil in dem Beruf. Egal ob persönlich, telefonisch oder via Mail – Termine ausmachen und Beratungsgespräche führen gehört auch zum Alltag", erklärt Corinna.

Eine Auszubildende steht vor einem Traktor.
Corinna hat ihre Entscheidung für die Ausbildung nie bereut.

Vom Recyclinghof in den Hörsaal und zurück

Corinna hat die Ausbildung bereits abgeschlossen und studiert jetzt Umwelttechnik. Wenn sie Semesterferien hat, kommt sie als Werkstudentin zurück zum Recyclinghof und hat so einen tollen Nebenjob. "Nach dem Studium möchte ich mich darum kümmern, dass die Richtlinien und Gesetze zum Umweltschutz, z.B. in Betrieben, eingehalten werden. Diesen Weg hätte ich ohne die Ausbildung niemals eingeschlagen!"

Fakten zur Ausbildung

Ausbildungsform: dual in Betrieb und Berufsschule

Dauer: 3  Jahre

Zugangsvoraussetzungen: Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Ausbildungsanfänger/innen mit
mittlerem Bildungsabschluss ein.

Alternativen z.B.: 

  • Fachkraft – Rohr-, Kanal- und Industrieservice
  • Fachkraft – Wasserversorgungstechnik
  • Fachkraft – Abwassertechnik

Hier arbeiten Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

Corinna hat ihre Ausbildung auf einem großen Recyclinghof mit Abfallbehandlungsanlagen gemacht. Ingenieurbüros und Betriebe, die Sonderabfälle entsorgen, bilden ebenfalls Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft aus. Du kannst die Ausbildung auch in öffentlichen Abfallbeseitigungsbetrieben und in Müllverbrennungsanlagen machen.