Interview: Ausbildung mit einer Hörbehinderung

Nah am Menschen

Konstantin macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten am Berufsförderungswerk Mainz, kurz BFW. Die Berufsfachschule bildet als einzige Berufsfachschule in Deutschland Menschen mit einer Hörbehinderung zu Physiotherapeuten aus. Im Interview erzählt Konstantin von seiner Ausbildung.

Eine Frau und ein Mann kommunizieren in Gebärdensprache.
Auszubildende mit Hörbehinderung erhalten Unterstützung bei der Ausbildung, z.B. durch Gebärdensprachdolmetscher/innen.
Ein Physiotherapeut hilft einer jungen Frau.
Konstantin macht eine Ausbildung in seinem Wunschberuf Physiotherapeut.

planet-beruf.de: Wie bist du darauf gekommen, eine Ausbildung zum Physiotherapeuten zu machen?

Konstantin: Ich wollte schon immer im sozialen-medizinischen Bereich tätig sein. Die letzte Motivation habe ich dann von meinen Eltern erhalten, die mich darin bestärkt haben meinen Wunschberuf zu erlernen.

planet-beruf.de: Wie hast du dich für diese Ausbildung beworben?

Konstantin: Ich hatte vorher schon in einer anderen Schule die Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen. Da dort aber nicht auf meine Hörschädigung Rücksicht genommen wurde, musste ich abends alles selbst erarbeiten. Nach zwei Jahren habe ich das nicht mehr geschafft. Deshalb habe ich mich entschlossen eine Berufsfachschule zu suchen, die genau meinen Vorstellungen und meiner Hörbehinderung entspricht. Die habe ich dann im BFW Mainz gefunden.
Ich habe dann eine E-Mail an Frau Graff, die zuständige Ausbilderin für die Hörgeschädigten, geschickt, ob ich auch noch verspätet die Ausbildung weiterführen kann. Sie hat mir kurz darauf eine positive Antwort gegeben und sich darum gekümmert, dass ich mich an der Berufsfachschule zurechtfinde. Ich bin dort dann ins zweite Semester der Ausbildung wieder eingestiegen.

Ein Physiotherapeut massiert einen Kunden.
In der Ausbildung lernt Konstantin auch, wie man Patienten massiert.

planet-beruf.de: Wie läuft die Ausbildung ab?

Konstantin: Es handelt sich um eine schulische Ausbildung, wir haben also nur in der Berufsfachschule Unterricht, der um halb acht beginnt. Im ersten Ausbildungsjahr besteht der hauptsächlich aus Fachtheorie und praktischem Üben mit anderen Auszubildenden. Ab dem zweiten Jahr wenden wir unser Wissen dann bereits am Patienten an.
Das Besondere an der Schule ist, dass in kleinen Klassen von ca. 12 Leuten hörende mit hörgeschädigten Schülerinnen und Schülern zusammen sind. Ich z.B. bekomme dann Hilfe durch einen Schriftdolmetscher in den theoretischen Fächern. Außerdem wird viel theoretisches Wissen durch Präsentation dargestellt.

planet-beruf.de: Welche Stärken braucht man für diesen Beruf?

Konstantin: Vor allem sollte es einem nichts ausmachen, dass man anderen Menschen sehr nahe kommt. Der Umgang mit anderen sollte einem daher Freude machen. Auch das Interesse an Medizin ist eine Voraussetzung, denn die Ausbildung ist lernintensiv.

planet-beruf.de: Was hast du nach deiner Ausbildung vor?

Konstantin: Ich möchte mich gerne selbstständig machen und anderen Menschen mit meinem Fachwissen helfen.

Das Berufsförderungswerk (BfW)

Ein Berufsförderungswerk ist eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, die erstmals einen Beruf lernen oder ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können. Das BFW gibt es bundesweit. Wobei sich die jeweiligen Berufsförderungswerke in Ausbildungsrichtung und Voraussetzungen unterscheiden. Weitere Informationen findest du z.B. bei den Reha/SB-Beraterinnen und -Beratern der Agenturen für Arbeit und unter

www.arbeitsagentur.de >> Menschen mit Behinderungen

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Stand: 06.02.2018
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