Weiterbildung im sozialen Bereich: Fachkraft für Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation

"Ich habe gefunden, was ich machen möchte."

Den Weg zum Supermarkt zu finden oder essen, ohne sich zu bekleckern - das ist gar nicht so einfach, wenn man blind oder sehbehindert ist. Als Fachkraft für Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation übt Eike mit Betroffenen, im Alltag zurechtzukommen.

Junger Mann mit Blindenstock.
Der Blindenstock ist ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen, die blind oder sehbehindert sind.
Porträt des Interviewpartners.
Privat
Eike hilft seh- und höreingeschränkten Menschen, weitestgehend unabhängig zu leben.

Eike wusste schnell, dass er im sozialen Bereich arbeiten will. Als Schüler machte er ein Praktikum im Kindergarten und entschied sich anschließend für eine Ausbildung zum Sozialassistenten. Nach seiner Ausbildung arbeitete er u.a. in einem Internat des Taubblindenwerks in Hannover für Kinder und Jugendliche mit Seh- und Hörschädigung. Hier begleitete er die Schülerinnen und Schüler im Unterricht und kümmerte sich um die Freizeitgestaltung am Nachmittag. Seine Kolleginnen und Kollegen machten ihn auf die Weiterbildung zur Fachkraft für Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation (Reha-Fachkraft) aufmerksam.

In andere Welten eintauchen

Eike machte die schulische Weiterbildung an der Fachschule für Fachkräfte der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) in Marburg. Am Anfang lernte er vor allem durch Simulation. Dabei erarbeiten sich die Auszubildenden blinden- oder sehbehindertenspezifische Techniken, indem sie mit verbundenen Augen oder besonderen Brillen Seheinschränkungen simulieren. Die Ausbilder/innen oder die Mitlernenden leiten sie so an, wie sie es bei einem Menschen mit Blindheit tun würden. "Es ist wichtig, aus der eigenen Erfahrungswelt herauszutreten und sich in die Welt des anderen Menschen einzufühlen", erzählt Eike. So versteht man zum Beispiel, wie schwierig es sein kann, Kuchen zu essen, ohne sich und den Boden mit Bröseln zu bedecken, oder blind einen alltäglichen Weg zu bewältigen. Ab dem zweiten Halbjahr unterrichtete Eike im Rahmen seiner Weiterbildung bereits einzelne Jugendliche mit Blindheit und Sehbehinderung.

Gemeinsam den Alltag meistern

Ein sehbehinderter Mann wird beim Bügeln unterstützt.
Eine Sehbehinderung oder Erblindung stellt betroffene Menschen vor besondere Herausforderungen, z.B. beim Bügeln.

Nach eineinhalb Jahren kehrte Eike als ausgebildete Reha-Fachkraft in das Taubblindenwerk zurück. Die Menschen, die dort leben, haben eine Seh- und Höreinschränkung. Damit Eike sich mit ihnen verständigen kann, lernte er zusätzlich das Lormen, ein Handalphabet, und taktile Gebärden. Dabei nutzt eine Person Gebärdensprache, während die andere die Gebärden abfühlt. Die Menschen, die Eike betreut, sogenannte Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, kommen jeweils für ein halbes Jahr in das Taubblindenwerk. Dort üben sie einzeln und in Gruppen lebenspraktische Fähigkeiten (LPF), z.B. den eigenen Haushalt zu organisieren oder zu kochen.

Persönlich und individuell betreuen


In einem Einführungsgespräch erzählen die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, bei was sie Schwierigkeiten haben und was sie lernen möchten. Die Mitarbeiter/ innen der Reha legen gemeinsam mit ihnen Ziele fest. "Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man direkt Erfolge sehen kann", sagt er. "Darauf aufbauend plane ich die nächsten Schritte. Weil ich die Menschen einzeln betreue, entsteht eine intensive Verbindung." Eike berät die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden auch, wie sie ihr Zuhause behindertengerechter gestalten können. Zum Beispiel kann man die jeweiligen Wärmestufen am Herd mit Klebepunkten markieren.

Darauf kommt es an


Durch seine Weiterbildung ist Eike in eine höhere Gehaltsklasse gekommen. Außerdem arbeitet er nur noch tagsüber, statt wie zuvor im Internat im Schichtdienst. Aber darum geht es Eike in seinem Beruf nicht: "Zu sehen, wie die Menschen ständig neue Dinge lernen, das ist sehr erfüllend. Ich habe das gefunden, was ich machen wollte." Für diese Arbeit benötigt man vor allem Geduld und Einfühlungsvermögen,sagt er. Außerdem rät Eike, wenn man diese Weiterbildung machen möchte, schon vorherErfahrung in der Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen zu sammeln.

Weiterbildung finden

Welche Weiterbildungen es für deinen Ausbildungsberufgibt, erfährst du unter www.berufenet.arbeitsagentur.de » Beruf eingeben » Perspektiven » Aufstiegsweiterbildung. 

Studieren ohne Abi

Mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehreren Jahren Berufserfahrung kannst du in der Regel ein Studium in deinem Fachbereich aufnehmen. Auch mit einer Weiterqualifizierung zum/zur Betriebswirt/in oder Fachwirt/ in ist ein Studium möglich. Infos zu den Voraussetzungen bekommst du an der jeweiligen Hochschule.

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Stand: 15.01.2020
Berufe Entdecker
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"Ich habe gefunden, was ich machen möchte."