Interview: Zukunftswerkstatt für Berufsorientierung

Wir holen Unternehmen in die Schule

40 Zukunftswerkstätten hat die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar seit 2011 in der Region eingerichtet. Hans-Heinrich Benda, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung, erläutert, was es mit den eigens eingerichteten Berufsorientierungszimmern auf sich hat.

Schülerinnen und Schüler mit zwei Lehrern im Klassenzimmer.
Unternehmen präsentieren ihre Ausbildungsberufe in Vorträgen in der Zukunftswerkstatt.

planet-beruf.de: Was genau muss man sich unter dem Projekt Zukunftswerkstatt vorstellen?

Hans-Heinrich Benda: Betrieben und Unternehmen fällt es zunehmend schwerer, Auszubildende zu finden. Die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar unterstützt deshalb Schulen dabei, jungen Menschen eine Idee davon zu vermitteln, was eine duale Ausbildung ist und welche Berufe es gibt. Zu diesem Zweck holen wir die Unternehmen in die Schulen und lassen Expertinnen und Experten aus der Praxis zu Wort kommen. Gleichzeitig schaffen wir durch die Einrichtung von Berufsorientierungszimmern in den Schulen einen Ort, wo diese Begegnung stattfinden kann.

Porträt von Hans-Heinrich Benda
IHK Darmstadt Rhein Main Neckar
Hans-Heinrich Benda: Keiner der Betriebe will die Zukunftswerkstätten mehr missen.

planet-beruf.de: Wie geht das konkret vor sich?

Hans-Heinrich Benda: Betriebe buchen sich in das Berufsorientierungszimmer ein, um Schülerinnen und Schüler über einen bestimmten Beruf zu informieren. Eine/r ihrer Beschäftigten kommt dann in die Schule und erzählt den Jugendlichen, wer er/sie ist, was er/sie macht und wie er/sie zu diesem Beruf gekommen ist. Unserer Erfahrung nach eignet sich das Erzählen von Berufsbiografien in besonderem Maße dafür, Jugendlichen in der Berufswahlphase Orientierung zu geben.

Vor Kurzem wurde die Zukunftswerkstatt um das Format 'Ausbildungsbotschafter' erweitert. Damit wird die Gruppe derer, die präsentiert, altersmäßig an die Gruppe derer, die zuhört, angepasst. Erstere sind Azubis im 2./3. Lehrjahr, die der Ausbildungsbetrieb als seine Botschafter entsendet und die den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe von ihrer Arbeit berichten.

planet-beruf.de: Wie unterstützen Sie die Schulen dabei?

Hans-Heinrich Benda: Unsere Ausbildungsberater, die die Berufsorientierungs-Lehrkräfte an den Zukunftswerkstätten vor Ort betreuen, sorgen dafür, dass sich pro Schuljahr mindestens 10-20 Ausbildungsunternehmen mit ihren Berufen vorstellen.

planet-beruf.de: An welche Jahrgangsstufen richtet sich das Projekt?

Hans-Heinrich Benda: Das Projekt ist für Schüler/innen der Sekundarstufe I konzipiert. Wir empfehlen es ab Klasse 7, spätestens jedoch ab der 8. Jahrgangsstufe zu starten und kontinuierlich durchzuführen.

planet-beruf.de: Welche Voraussetzungen muss man als teilnehmende Schule erfüllen?

Hans-Heinrich Benda: Unter anderem müssen sich die Schulen schulintern darauf einigen, an dem Projekt teilnehmen zu wollen (Beschluss der Schulkonferenz) und Berufsorientierung muss im Schulcurriculum verankert sein. Zudem muss ein Konzept zur Umsetzung vorliegen und ein Raum in Klassenraumgröße fest zur Verfügung stehen.

planet-beruf.de: Wie unterstützen Sie Schule und Lehrkräfte während des Projektes?

Hans-Heinrich Benda: Außer der Anschubfinanzierung von 10.000 Euro, die wir für die (technische) Erstausstattung der Zukunftswerkstätten zur Verfügung stellen, und unseren Kontakten zu Unternehmen bieten wir den Lehrkräften Fortbildungsseminare zur Berufsorientierung an. Im Moment erstellen wir zudem Lehr- und Lernmaterialien, mithilfe derer Berufsorientierung in einzelnen Lehreinheiten schnell und leicht umgesetzt werden kann.

planet-beruf.de: Was berichten beteiligte Lehrkräfte über das Projekt?

Hans-Heinrich Benda: Deren einhellige Meinung ist: Es macht Arbeit, aber es lohnt sich auch. Als besonders positiv empfinden es viele Lehrkräfte, dass die Akquisearbeit für sie wegfällt, sie nicht den Betrieben hinterher telefonieren müssen, sondern die Kontaktdaten von der IHK bekommen.

planet-beruf.de: Und was sagen die Betriebe?

Hans-Heinrich Benda: Keiner der Betriebe will die Zukunftswerkstätten mehr missen. Es gibt Unternehmen, die sich an einem Dutzend Standorten eingebracht haben - Tendenz steigend. Weil auch bei den Unternehmen immer mehr ankommt: Ich muss mir meine zukünftigen Auszubildenden in der Schule abholen.

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Stand: 13.07.2016