Interview: Unterstützung für die Schülerfirma

Wirtschaft in der Schule erleben

Felix Hettig ist verantwortlich für die Schülerfirmenprogramme der IW JUNIOR gGmbH. Im Interview stellt er die Programme vor und gibt Lehrkräften wertvolle Gründungstipps.

Lehrerin beim Unterrichten im Klassenraum
Lehrkräfte erhalten von der IW JUNIOR gGmbH umfangreiche Unterrichtsmaterialien zum Thema Schülerfirma.

planet-beruf.de: Herr Hettig, welche Ziele verfolgen die Schülerfirmenprogramme der IW JUNIOR gGmbH?

Felix Hettig: Ziel der Schülerfirmenprogramme ist es, das Thema Wirtschaft in der Schule zu platzieren. Der Ansatz dabei ist "learning by doing". Da sich für viele Schüler das Thema Wirtschaft ziemlich trocken anhört, ist unser Motto: Lasst sie Wirtschaft erleben. Es geht dabei nicht nur um Zahlen und Profit, sondern auch darum, eigene Ideen zu entwickeln. Damit wollen wir Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Präsentationsfähigkeit fördern. Und natürlich sollen sie auch ihre eigenen Stärken erkennen: Vertriebs- oder Organisationstalent und Führungsstärke, das sind Dinge, die man erst erfahren muss. Dadurch unterstützen unsere Schülerfirmenprogramme bei der Berufsorientierung.

Porträt von Felix Hettig
Felix Hettig: Lebendige Schülerfirmen vermitteln mehr Wirtschaftswissen als trockener Unterricht.

planet-beruf.de: Welche Schülerfirmenprogramme gibt es und an wen richten sie sich?

Felix Hettig: Das älteste und komplexeste Programm heißt JUNIOR expert. Es richtet sich an alle Schulformen ab der 9. Klasse. Meist nehmen Gymnasien daran teil, aber auch Realschulen machen mit. Um mehr Haupt- und Realschulen zu beteiligen, wurde eine vereinfachte Version, JUNIOR advanced, erstellt, die sich an Schüler aller Schulformen ab der 7. Klasse richtet. Das dritte Programm ist das niederschwellige JUNIOR basic, das für alle Schulformen ab der 5. Klasse gedacht ist. Die Programme werden in allen Bundesländern angeboten. Auf unserer Webseite finden Sie die jeweiligen Ansprechpartner.

planet-beruf.de: Wie läuft die Unterstützung beim Aufbau einer Schülerfirma konkret ab?

Felix Hettig: Da wir die meisten Angebote im JUNIOR expert-Bereich haben, werde ich mich nun darauf beziehen. Alles fängt mit Lehrerinformationsveranstaltungen an, da die Lehrer/innen für uns die Hauptansprechpartner sind. Dort erfahren die Lehrkräfte alles über den Ablauf des Programms. Sobald eine Lehrkraft eine Schülerfirma bei uns angemeldet hat, wickeln wir die gesamte Verwaltung dieser Firma über ein zentrales Onlineportal ab. Auch die Schüler/innen können sich dort einloggen. Auf diesem Portal gibt es umfangreiche Infomaterialien und umfangreiche Checklisten für Lehrkräfte und für Schüler/innen. Ideen geben wir nicht vor, unterstützen die Ideenfindung aber durch Materialien wie E-Learnings oder Themenhefte. Es gibt Einführungsworkshops, wobei wir direkt in den Schulen mit der Firma arbeiten.
Auf Anfrage vermitteln wir auch Wirtschaftspaten, die den Schülern und Schülerinnen als Mentoren oder Coaches mit Blick aus der Praxis helfen.

Das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT

Das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT baut Brücken zwischen Schule und Wirtschaft. Ziele sind die Verbesserung des Übergangs von der Schule zur Arbeitswelt für Jugendliche und die Schaffung von Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben.

planet-beruf.de: Was ist der nächste Schritt?

Felix Hettig: Sobald die Idee gefunden, von uns geprüft und genehmigt ist, können die Schüler/innen loslegen. Bei einer Hauptversammlung muss sich die Firma offiziell gründen und sich das Okay der Anteilseigner für ihre Geschäftsidee holen. Die Buchführung wird regelmäßig eingeschickt und von uns geprüft. Bei Fragen können Schüler/innen und Lehrkräfte jeweils eine spezielle Hotline anrufen, wo sie beraten werden. Zum Ende des Schuljahres wird in einer zweiten Hauptversammlung die Schülerfirma aufgelöst. Die Schüler/innen präsentieren den Geschäftsverlauf und den Gewinn und verkünden, wofür dieser verwendet wird. Meistens für eine Schulaktion.

planet-beruf.de: Wie kann die Gründung einer Schülerfirma gut gelingen? Hätten Sie ein paar Tipps?

Felix Hettig: Lehrkräfte sollten immer die Vorkenntnisse der Schüler/innen im Blick haben. Am Anfang ist es wichtig, ein Brainstorming zu machen und alle dabei zu berücksichtigen. Die Schüler/innen sollten basisdemokratisch entscheiden, was sie machen wollen. Während des Verlaufs des Projekts sollten sie regelmäßig überprüfen, ob es noch funktioniert oder ob Änderungen notwendig sind - das garantiert den besten Lerneffekt.

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Stand: 09.03.2016