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Interview: So gelingt Inklusion

Inklusion als Selbstverständlichkeit

Petra Schöppler ist eine ausgewiesene Fachfrau im Bereich Sonderpädagogik. Als Klassenlehrerin einer Inklusionsklasse weiß sie, was zu den konkreten Bedingungen für das Gelingen einer inklusiven Schule gehört.

Eine Schulklasse sitzt zusammen mit dem Lehrer im Stuhlkreis
In einer gelungenen Inklusionsklasse ist das Miteinander ganz selbstverständlich - nicht nur während des Unterrichts!
Porträt der Interviewpartnerin Petra Schöppler
Privat
Petra Schöppler ist als Lehrerin an einer inklusiven Schule tätig.

planet-beruf.de: Sie sind Klassenleiterin einer Inklusionsklasse an der Gesamtschule Bremen Ost. Um welche Klassenstufe handelt es sich dabei und wie viele Inklusionsschüler haben Sie in Ihrer Klasse?

Petra Schöppler: Ich unterrichte eine sog. Schwerpunktklasse in der 9. Jahrgangsstufe. Fünf der insgesamt 21 Schülerinnen und Schüler haben sonderpädagogischen Förderbedarf.

planet-beruf.de: 2009 hat sich Deutschland durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu etablieren. Seitdem sind sieben Jahre vergangen. Können Sie uns mit Blick auf Ihre Schule sagen, wie weit dieser Prozess inzwischen vorangeschritten ist?

Petra Schöppler: In Bremen gibt es seit einigen Jahren keine Sonderschulen bzw. Förderzentren für den Bereich "Lernen" mehr. Alle Schüler/innen mit Förderbedarf wechseln nach der Grundschule in die Oberschule oder ins Gymnasium und werden gemeinsam unterrichtet. In Bremen ist also die UN-Vorgabe, ein inklusives Bildungssystem zu etablieren, weitestgehend umgesetzt.

planet-beruf.de: Welche Rahmenbedingungen sind aus Ihrer Sicht für das Gelingen einer inklusiven Schule notwendig?

Petra Schöppler: Zum einen sind bauliche Voraussetzungen wichtig. Wir haben für jede Schwerpunktklasse einen Differenzierungsraum. Je nach Bedarf/Situation wenden wir verschiedene Kooperationsformen an: Teamteaching, parallel teaching, station teaching, Einzelförderung … dazu ist ein zweiter Raum unbedingt erforderlich.
Von zentraler Bedeutung sind auch ausreichende personelle Ressourcen. Wir sind in der Woche 14 Unterrichtsstunden mit jeweils einer Regelschul- und einer sonderpädagogischen Lehrkraft doppelt besetzt. Das Team aus Lehrkräften und weiteren pädagogischen Fachkräften, das in den einzelnen Klassen unterrichtet, sollte außerdem nicht zu groß sein und möglichst lange gemeinsam in der gleichen Klasse unterrichten.

planet-beruf.de: Inklusion ist Teamarbeit. Durch wen und was können Lehrerinnen und Lehrer bei der Aufgabe "Inklusion" unterstützt werden?

Petra Schöppler: Abgesehen davon, dass sich die beteiligten Lehrkräfte permanent darüber austauschen sollten, was gerade in der Klasse los ist, spielen Angebote zur fachlichen Fort- und Weiterbildung, aber auch die Möglichkeit zur Supervision eine große Rolle.

planet-beruf.de: Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um in inklusiven Klassen tätig werden zu können? Und wo und wie können diese erworben und weiterentwickelt werden?

Petra Schöppler: Zuallererst sollte die grundsätzliche Bereitschaft da sein, sich um alle Schüler/innen kümmern und alle fördern zu wollen. Als Sonderpädagogin habe ich bereits während meines Studiums die notwendigen Kompetenzen erworben. Die Regelschullehrer durchlaufen entsprechende Fort- und Weiterbildungen, beispielsweise zum Thema "Förderplanung im Team". Weitere Unterstützung bekommen sie durch den fachlichen Austausch mit Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen.

planet-beruf.de: Stichwort "Gemeinsames Lernen": Wie lässt sich ein inklusiver Unterricht gestalten, in dem alle Schülerinnen und Schüler ihre optimalen Lern- und Entwicklungsergebnisse erreichen?

Petra Schöppler: Der herkömmliche Unterricht funktioniert in diesen Klassen nicht. Es muss sehr viel handlungsorientierter gearbeitet werden, z.B. in Form von Projektunterricht. Wir haben einen Projekttag in der Woche. Da wird ein Thema von verschiedenen Fächern aus beleuchtet. Dabei arbeiten zwar alle Schüler/innen an einem Thema, aber eben auf unterschiedlichen Niveaustufen.

planet-beruf.de: Welche Rolle nimmt aus Ihrer Sicht eine inklusive Klassenkultur ein und wie bzw. durch was lässt sie sich herstellen?

Petra Schöppler: Wertschätzung und Transparenz spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Die Schüler werden mit ihren Stärken und Schwächen wertgeschätzt. Man muss mit den Schülerinnen und Schülern offen darüber reden, warum z.B. einer dieses Arbeitsblatt und ein zweiter ein anderes Arbeitsblatt bearbeitet. Auch Klassenfahrten tragen zu einer inklusiven Klassenkultur bei. Dass da alle mitfahren, ist bei uns ganz selbstverständlich.

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Stand: 07.09.2016
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