Experteninterview: Profitipps fürs Präsentieren

"Das Publikum ist nicht der Feind."

Phillipp Gründel arbeitet als Trainer bei susanne bohn Leadership Competence. Er coacht Führungskräfte unter anderem in den Bereichen Kommunikation, Präsentations-  und Schulungskompetenz. Im Interview gibt er Tipps fürs erfolgreiche Präsentieren.

Ein Mann hält eine Präsentation.
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Hinter einer guten Präsentation steckt viel Vorbereitung.
Ein Porträt von einem Mann
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Bei einer Präsentation richtet sich der Inhalt nach dem Ziel, das man erreichen möchte.

planet-beruf.de: Worauf kommt es bei einer Präsentation an?

Phillipp Gründel: Fragen Sie sich bei der Vorbereitung: Was für ein Publikum kommt da? Warum schenken die Leute Ihnen ihre Zeit? Was wollen Sie mit Ihrer Präsentation erreichen? Welche Inhalte müssen Sie wirklich ausführen, damit Ihre Botschaft von den Zuhörenden verstanden und verinnerlicht werden kann? Es kommt darauf an, relevante Dinge vorzustellen. In vielen Präsentationen ist eher das Gegenteil der Fall. Deswegen muss man sortieren, was für die Zielgruppe wichtig ist.

planet-berufe.de: Worauf sollte ich beim Sprechen achten?

Phillipp Gründel: Es gibt ein paar grundlegende Regeln: Deutlich sprechen, Wichtiges akzentuieren, mit der Tonalität spielen, gut artikulieren, in einfachen Sätzen sprechen und verständliche Wörter verwenden. Außerdem sind Pausen wichtig. Zum einen kann ich zwischendurch Luft holen und zum anderen hat mein Publikum Zeit, über das Gesagte nachzudenken.

Außerdem sollte die Stimme immer dem Inhalt dienen. Sie sollten zum Beispiel nicht zu ruhig und strukturiert sprechen, wenn Sie emotionalisieren möchten. Deswegen immer überlegen, welche Wirkung Sie erzielen möchten und wie Sie dafür Ihre Stimme einsetzen müssen.

planet-beruf.de: Was empfehlen Sie für die Körpersprache?

Phillipp Gründel: Eine aufrechte und offene Haltung ist wichtig. Sie erzeugt Präsenz. Alles andere muss individuell für die Situation passen. Auch mit der Körpersprache unterstreiche ich meine Aussagen. Zwei Fragen sind zentral: Wie präsentiere ich? Wie wirkt das? Dafür muss ich zum Beispiel wissen, wie ich mich verhalte. Dabei hilft es, mich vorab zu filmen und dann zu analysieren. So kann ich bewusst steuern, was ich tue, um "richtig" zu wirken. Das braucht dann viel Übung.

planet-beruf.de: Wie spreche ich sicher und frei?

Phillipp Gründel: Ich übe, bis ich den Text auswendig kann. Und dann übe ich so lange weiter, bis ich den Inhalt parat habe und frei formulieren kann, damit ich das auswendig Gelernte nicht mehr brauche. Wirklich auswendig lerne ich nur meine Kernaussage und meine Fragen an die Zuhörenden. Die müssen wirklich gut überlegt sein.

Jemand zeigt mit seinem Daumen nach unten.
Manche Dinge gehören nicht in eine Präsentation.

planet-beruf.de: Was sind No-Gos beim Präsentieren?

Phillipp Gründel: Wenn ich Wissensfragen stelle, stoße ich Leute vor den Kopf und verliere sie. Deswegen frage ich nach Erfahrungen und Meinungen. Dann hat keiner Angst, eine falsche Antwort zu geben, und alle können sich wohl fühlen.

Dominanzgesten sind auch nicht gut. Dazu gehören beispielsweise: Die Hände in die Hosentaschen zu stecken, wobei die Daumen rausschauen und nach vorne zeigen, die Beine sehr breit aufzustellen, das Kinn hochzuheben oder mit dem Finger auf Einzelne zu zeigen. Der Gebrauch von Konjunktiven und Verniedlichungen verhindert, dass ich souverän auftrete. Als Beispiel: "Ich habe auch noch zwei kleine Umfragen für Sie mitgebracht, die würde ich dann später vielleicht mal kurz mit Ihnen machen." - Warum "kurz"? Warum "klein"? Warum "vielleicht"? Es ist viel geschickter zu sagen: "Ich habe zwei Umfragen vorbereitet. Die werden wir gemeinsam durchführen."

Viele Menschen können kein Multitasking. Deswegen bei Präsentationen keine überfüllten Folien zeigen. Sonst müssen sich nämlich alle entscheiden: Lese ich auf der Folie mit oder höre ich zu? Viele werden sich dafür entscheiden, in ihrem Tempo zu lesen. Da kann ich mir die Präsentation gleich schenken. Dann hilft auch keinerlei Vorbereitung.