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Bericht: Neuerungen des Berufsbildungsgesetzes 2020

Neue Regeln für Ausbildung und Weiterbildung

Berufliche Aus- und Weiterbildungen sind durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Zum 1.1.2020 ist eine Gesetzes-Novelle in Kraft getreten. Für Auszubildende und junge Fachkräfte sind insbesondere die Änderungen zur Ausbildungsvergütung, zur Teilzeitausbildung und zur Weiterbildung relevant.

Eine Lehrerin sitzt im Lehrerzimmer und liest sich eine Broschüre durch.
Das neue Berufsbildungsgesetz können Sie sich auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung herunterladen.

Mindestausbildungsvergütung

Im neuen Berufsbildungsgesetz ist festgelegt, dass Auszubildende eine monatliche Mindestvergütung erhalten. Wer seine Ausbildung 2021 beginnt, erhält mindestens 550 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr. Bei Ausbildungsbeginn im Jahr 2022 sind es 585 Euro und bei Ausbildungsbeginn im Jahr 2023 beträgt die Vergütung mindestens 620 Euro pro Monat. Im zweiten, dritten und evtl. vierten Ausbildungsjahr steigt die Mindestvergütung um einen jeweils festgelegten Prozentsatz.

Diese Regelung stellt für Auszubildende in bestimmten Branchen eine deutliche Verbesserung dar, zum Beispiel in manchen Handwerksberufen. Für Ausbildungsverträge, die vor der Neuregelung des BBiG geschlossen wurden, gilt die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Vergütung. Ausnahmen gibt es für tarifgebundene Unternehmen. Hier haben Tarifverträge Vorrang vor der gesetzlichen Mindestvergütung, so dass in manchen Berufen und Regionen Auszubildende Vergütung unterhalb der Mindestausbildungsvergütung erhalten.

Ausbildung in Teilzeit für weitere Zielgruppen

Ein junges Mädchen liest etwas auf ihrem Handy.
Man kann entweder die gesamte Ausbildung in Teilzeit machen oder nur einen Teil davon. Motivieren Sie Ihre Schüler/innen dazu, sich gut über die neuen Möglichkeiten zu informieren.

Bislang musste man ein "berechtigtes Interesse" an einer Ausbildung in Teilzeit haben, zum Beispiel, weil ein Kind zu betreuen war. Die Ausbildungszeit war gegenüber der Vollzeitausbildung reduziert, so dass diese Ausbildungsform nur für Leistungsstärkere geeignet war.

Mit dem neuen BBiG ist es grundsätzlich allen Auszubildenden möglich, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Voraussetzung ist nur, dass der Ausbildungsbetrieb einverstanden ist. Die Novellierung erlaubt zudem die individuelle zeitliche Ausgestaltung der Teilzeitberufsausbildung. Dadurch profitieren neben jungen Müttern und Vätern sowie pflegenden Angehörigen weitere Zielgruppen von dieser Möglichkeit. So kommt eine Ausbildung in Teilzeit seit der Neuordnung auch für Menschen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtete infrage.

Stärkung der beruflichen Weiterbildung

Ein Lehrer, der gerade ein Blatt in den Händen hält. Schaut in die Kamera.
Das BBiG sieht neu drei sogenannte Fortbildungsstufen vor.

Als zentrales Element führt die BBiG-Novelle drei neue Stufen für Aufstiegsweiterbildungen ein:

  • Geprüfte/r Berufsspezialist/in: mindestens 400 Stunden Dauer, Stufe 5 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR)
  • Bachelor Professional: mindestens 1200 Stunden Dauer, Stufe 6 des DQR
  • Master Professional: mindestens 1600 Stunden Dauer, Stufe 7 des DQR

Zum Beispiel kann man nach einer Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker/in eine Weiterbildung als "Geprüfte/r Berufsspezialist/in für Kraftfahrzeug-Servicetechnik" absolvieren.

Den Titel "Bachelor Professional" erhält man zum Beispiel nach erfolgreichem Abschluss einer Meisterprüfung im Handwerk oder der Prüfung als Fachwirt/in. Den Meistertitel gibt es weiterhin, die neue Bezeichnung ist eine Ergänzung.

"Master Professional" darf sich etwa nennen, wer nach der Meisterprüfung die Weiterbildung zur/zum Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung erfolgreich abschließt.

Die neuen Bezeichnungen "Bachelor Professional" und "Master Professional" sollen die Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Bildung zum Ausdruck bringen.

Stand: 30.09.2020