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Check-U Konzeption: Berufswahlprozess

Die Rolle von Selbsterkundungsprogrammen im Berufswahlprozess

Prof. Dr. Heinrich Wottawa, Experte für psychologische Eignungsdiagnostik, hat sich lange mit computergestützten Testverfahren und Online-Orientierungstools beschäftigt. Hier spricht er über den Einsatz von Selbsterkundungstools im Berufswahlprozess.

Porträt von Prof. Dr. Heinrich Wottawa
Prof. Dr. Heinrich Wottawa ist Professor im Ruhestand am Lehrstuhl für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum. Er hat die Konzeption und Entwicklung von Check-U wissenschaftlich begleitet. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die berufsbezogene Eignungsdiagnostik sowie die Entwicklung und Evaluation computergestützter Testverfahren.

planet-beruf.de: Welche Rolle spielen Selbsterkundungsprogramme in der Berufsorientierung?

Prof. Wottawa: Die meisten Jugendlichen sind mit der - in vielen Fällen angstbesetzten - Notwendigkeit überfordert, sich zwischen sehr vielen beruflichen Möglichkeiten zu entscheiden. Niemand kann sich ernsthaft mit mehr als 600 Ausbildungsmöglichkeiten beschäftigen. Sie brauchen daher eine Vorauswahl, die aus maximal einem Dutzend Berufen besteht. Ein Weg dazu - und vielleicht der beste - sind vernünftige Orientierungs- oder Selbsterkundungstools. Sie helfen den Jugendlichen, die Zahl der Berufe zu reduzieren, mit denen sie sich näher beschäftigen sollten.

planet-beruf.de: Wie sieht aus Ihrer Sicht ein optimaler Berufswahlprozess aus?

Prof. Wottawa: Die Berufsorientierung muss als langfristiger, in mehreren Schritten erfolgender Prozess angelegt werden. Der Wunsch vieler Jugendlicher, schnell einen Test zu machen, der am Ende einen einzigen "richtigen" Beruf ausgibt, funktioniert leider nicht.

Zunächst müssen die Jugendlichen wissen, was die Berufswelt eigentlich ist, welche Möglichkeiten sie bietet. Diese berufskundlichen Informationen werden in der Schule entweder durch die Lehrkräfte oder die Berufsberatung vermittelt.

Daran schließt sich im zweiten Schritt die Selbsterkundung an. Die Jugendlichen beschäftigen sich mit Hilfe von Tests damit, wer sie selbst sind. Wo sind meine Stärken, was liegt mir weniger, welche Interessen habe ich, was bringe ich an Persönlichkeit mit, was an kognitiven Fähigkeiten? Das sind die Fragen, die es zu stellen gilt. Die Testergebnisse sollten die Jugendlichen mit jemandem besprechen, der sie gut kennt, um mögliche Verzerrungen in der Eigenwahrnehmung zu vermeiden.

Im dritten Schritt sollten sie sich mit der im Selbsterkundungsprogramm ermittelten Auswahl von 6 bis 12 Berufen auseinandersetzen, sinnvollerweise durch Praktika, Internetrecherchen und Ähnliches. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine fundierte persönliche Beratung, zum Beispiel durch die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit. Daran schließt als letzter Schritt die konkrete Stellensuche an.

planet-beruf.de: Was können Selbsterkundungsprogramme nicht leisten?

Prof. Wottawa: Innerhalb des vielstufigen Berufsorientierungsprozesses kann ein Selbsterkundungsprogramm nur ein Baustein von vielen sein. Das Ergebnis des Tools sagt nur aus, worüber Jugendliche näher nachdenken oder sich kundig machen sollten. Es kann ihnen aber nicht die Entscheidung abnehmen.

Stand: 27.05.2020
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