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Good-Practice-Beispiel: Jugendmigrationsdienste

"Bei uns geht es um Integration."

Swetlana Glück vom Jugendmigrationsdienst Montabaur betreut seit mehr als einem Jahr auch junge Geflüchtete. "Der Weg in den Beruf geht nur über das Erlernen der deutschen Sprache", sagt sie und gibt Einblicke in ihre Arbeit.

Ein Beratungsgespräch mit einem jungen Geflüchteten.
Servicebüro Jugendmigrationsdienste
Die Jugendmigrationsdienste sind Teil der Initiative JUGEND STÄRKEN und werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

planet-beruf.de: Wem helfen Sie in persönlichen Beratungsgesprächen?

Swetlana Glück: Wir betreuen 12- bis 27-jährige junge Menschen mit Migrationshintergrund. Früher waren es Spätaussiedler/innen und Jugendliche aus Ländern der EU. Jetzt kommen junge Geflüchtete mit ihren Fragen rund um Aufenthaltsstatus oder Sprachkurs zu uns. Die Arbeit mit Geflüchteten ist ganz anders. Nicht nur, dass einige traumatisiert hier ankommen. Sehr oft waren sie jahrelang auf der Flucht - aus Syrien, Eritrea oder Somalia - und haben ihre Papiere nicht dabei. Sie kommen mit 18, 19 Jahren hier an und sind vielleicht seit dem 13. Lebensjahr auf der Flucht gewesen. Wer das hinter sich hat, schafft es nicht so schnell, sich Gedanken um eine Ausbildung zu machen oder ein hohes Sprachniveau, wie B1, im Deutschkurs zu erreichen. Daher kann es um die Berufsorientierung erst später gehen! Zunächst sollten die Jugendlichen hier erst einmal ankommen.

Eine junge Frau, Swetlana Glück, an ihrem Arbeitsplatz.
Privat
Swetlana Glück bietet jungen Geflüchteten eine Einzelberatung an.

planet-beruf.de: Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Swetlana Glück: Ein junger Mann aus Eritrea, 21 Jahre alt, hat in seiner Heimat in der Armee Friseur gelernt. Aber nur für die Männer. Klar hat er mich gefragt, ob er hier als Friseur arbeiten kann. Er war überrascht, dass hier ein/e Friseur/in drei Jahre lang lernt, denn er kennt ja das deutsche Bildungssystem nicht. Sein Kurs hat damals zwei Wochen gedauert! Dass er natürlich auch Frauen bedienen muss, dass er einen Hauptschulabschluss mitbringen sollte und hier einen Beruf frei wählen kann - das ist ihm neu. Jetzt möchte er etwas ganz anderes machen.

planet-beruf.de: Wie haben Sie ihn bei der Berufsfindung unterstützt?

Swetlana Glück: Durch die Kompetenzfeststellung haben wir herausgefunden, dass er sehr gerne mit Holz arbeiten würde. Meinen Rat, sich um Praktika zu kümmern, hat er fleißig befolgt. Er hat sich selbst bei verschiedenen Betrieben beworben. Jetzt probiert er sich als Tischler aus. Und wenn er seinen Sprachkurs beendet hat, könnte er sich dort um eine Ausbildungsstelle bewerben.

planet-beruf.de: Finden bei Ihnen Einzel- oder Gruppengespräche statt?

Swetlana Glück: Ich biete eine Einzelberatung an. Das ist effektiver, denn Vorkenntnisse und Flüchtlingsstatus sind sehr unterschiedlich, da kann ich gut auf alle persönlichen Belange eingehen. Für eine individuelle Bewerbung nehme ich mir viel Zeit und erkläre ausführlich, was eine Bewerbung ist und was alles in einen Lebenslauf gehört.

Logo JMD - Jugendmigrationsdienste
Servicebüro Jugendmigrationsdienste
Logo Jugendmigrationsdienste

planet-beruf.de: Mit wem arbeiten Sie zusammen, wenn Sie Unterstützung brauchen?

Swetlana Glück: Mit der Ausländerbehörde, wenn es um den Status geht oder wenn offen ist, ob der/die Jugendliche ein Praktikum machen oder Arbeit aufnehmen darf. Mit dem Jobcenter und Integration-Center bei der Agentur für Arbeit - das sind die Hauptakteure, wenn es um die Ausbildung geht. Und natürlich mit allen Sprachschulen. Hierhin vermitteln wir die jungen Geflüchteten und dort stellen wir auch unsere Arbeit vor.

planet-beruf.de: Welche Erfahrungen haben Sie insgesamt gemacht?

Swetlana Glück: Die Jugendlichen sind dankbar, dass sie eine kostenlose Beratungsstelle gefunden haben, in der es um ihre persönlichen Bedürfnisse geht. Sie arbeiten gut mit! Über Mundpropaganda finden weitere junge Menschen zu uns. Gut angenommen wird auch unsere virtuelle Beratung. Für alle, die nicht in der Nähe von einem Jugendmigrationsdienst wohnen, bieten wir diese Onlineberatung an, in türkischer und seit Kurzem auch in russischer Sprache.

planet-beruf.de: Wo stoßen Sie an Grenzen?

Swetlana Glück: Wenn ein Jugendlicher bei uns ist, unbegleitet, der drei Jahre auf der Flucht war und traumatisiert ist. Da hat die Beratung über die Berufsperspektiven keine Priorität. Da vermitteln wir - je nach vorhandenen Sprachkenntnissen – zu Psychologen oder Psychotherapeuten.

Mehr Infos ...

... über die Jugendmigrationsdienste (JMD)
Die Jugendmigrationsdienste sind Teil der Initiative JUGEND STÄRKEN und werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Sie beraten junge Migrantinnen und Migranten im Alter von 12 bis 27 Jahren. Sie bieten ihnen Informationen rund um den Spracherwerb, Beratung zum schulischen und beruflichen Werdegang, Hilfen im Umgang mit Behörden, Hilfen bei persönlichen und familiären Problemen.


www.jugendmigrationsdienste.de

 

… über das Modellprojekt "jmd2start - Begleitung für junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst"


www.jmd2start.de

 

... über die Onlineberatung "jmd4you - Das Beratungsportal für dein Leben in Deutschland"
Per verschlüsselter Webmail kann man hier zu verschiedenen Bereichen Fragen stellen.


www.jmd4you.de

Stand: 25.01.2017
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"Bei uns geht es um Integration."