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Wohnraum für Flüchtlinge

Eigenständig und gut betreut leben

Minderjährigen unbegleiteten Geflüchteten ein neues, sicheres Zuhause zu geben ist das Ziel zahlreicher Jugendhilfeeinrichtungen. Am Beispiel eines Wohnprojekts zeigen wir, wie die Integration, das Einleben in einer völlig fremden Welt, gelingen kann.

Eine junge Frau zeigt mit dem Daumen nach oben.
Wohngruppen bieten Jugendlichen einen sicheren Rückhalt, um schneller die deutsche Sprache zu lernen und selbstständig zu werden.

Unter schwierigsten Umständen in Deutschland angekommen, müssen sich junge Flüchtlinge hier auf ein unbekanntes Leben einstellen. In der Jugendhilfe tätige Fachkräfte leiten sie mit viel Geduld dazu an, Alltag und Schule zu bewältigen und die deutsche Sprache zu erlernen. Eigens eingerichtete Wohngruppen bieten ihnen den Rückhalt, den sie brauchen, um sich in der neuen Umgebung geborgen zu fühlen.

Andreas Weidemann, Pädagogischer Leiter der HKJ - Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Bayern GmbH - beschreibt, wie die Jugendlichen aus Krisengebieten in seiner Einrichtung betreut werden.

Gruppenbild der Geschäftsleitung
Privat
Pädagogische Leitung Andreas Weideman (li.) und Dorothee Gehrmann, Thomas Weidemann (re.), Geschäftsführer der Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Bayern GmbH

Die Wohngruppe als neues Zuhause

"Wir betreiben seit einem Jahr in einem Haus zwei Wohngruppen auf zwei Etagen mit jeweils zehn Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, vorwiegend unter 18 Jahren. Sie wohnen überwiegend in Ein-Bett-Zimmern, selten Zwei-Bett-Zimmer, mit Schreibtisch und Kleiderschrank. Das können sich die Jugendlichen so gestalten, wie sie es haben möchten. Die stationäre Jugendhilfe betreut junge Menschen bis zum 21. Lebensjahr, also quasi bis zum Abschluss der Schule bzw. der Ausbildung. Das Wichtigste nach dem Einzug in unsere Wohngruppe ist jedoch das Erlernen der deutschen Sprache. Daher haben wir eine Deutschlehrerin angestellt, so dass jeder Jugendliche ein- bis zweimal in der Woche neben der Schule noch zusätzlichen Deutschunterricht in Kleingruppen hat."

Schule und Alltag begreifen

Die Belegung der Wohngruppen erfolgt je nach freien Plätzen in Absprache mit den zuständigen Jugendämtern. Diese legen auch fest, wie hoch der Betreuungsaufwand für den einzelnen Jugendlichen ist. Ein Sozialpädagoge/eine Sozialpädagogin betreut in der Regel zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Fachkräfte führen die jungen Menschen langsam an die täglichen Pflichten, z.B. den Schulbesuch, heran.

"Schule ist für alle Pflicht", so Andreas Weidemann weiter. "Unsere Hauptaufgabe ist es, für jeden die passende Schule zu finden. Denn ein Problem ist ja, dass es keine Unterlagen, keine Zeugnisse,  verschiedenste Schulvorbildung bis hin zu keiner gibt. In unserem Landkreis besuchen die unter 16-Jährigen die Mittelschule. Alle, die über 16 Jahre sind, gehen in die Berufsschule. Im Einzelfall ist nach Absprache mit dem Psychologischen Fachdienst die Aufnahme an einer Förder-Berufsschule am besten."

Das Aufstehen in der Früh, pünktlich am Bus zu sein, in der Schule über Stunden konzentriert am Ball zu bleiben, Schulregeln auf dem Pausenhof einzuhalten - das alles erfordert viel Disziplin und muss erlernt werden. Ähnlich ist es in der häuslichen Umgebung. Gemeinsam einkaufen, kochen, essen - in der Gruppe klappt es schon prima.

Selbstständigkeit erproben

"Unsere Betreuer/innen leiten die Jugendlichen auch dazu an, bestimmte, für unseren Kulturkreis selbstverständliche, Aufgaben zu übernehmen: Küche reinigen, Wohnzimmer aufräumen, Bad putzen, das eigene Zimmer in Ordnung bringen - es wird nicht hinterher geräumt! Nur so lernen die Jungen, wie das Leben in Deutschland/Europa später alleine funktioniert. Können sich zunächst vielleicht nur einige auf diese Lebensform einlassen, ist es sehr schön zu sehen, wie nach drei, vier Monaten auch die anderen in der Gruppe mitziehen. Das ist wichtig, denn schließlich sollen - so das Ziel der Jugendhilfe - die Jugendlichen mit 18 Jahren in die Eigenständigkeit entlassen werden. Unser Paradebeispiel: Ein junger Mann wird zum neuen Schuljahr eine Berufsausbildung zum Kinderpfleger beginnen", berichtet Andreas Weidemann.

Was beim Kontakt mit jungen Geflüchteten wichtig ist

•    Man sollte viel Geduld, Kraft und Verständnis aufbringen.
•    Auf die individuelle Lebensgeschichte des Einzelnen ist Rücksicht zu nehmen.
•    In Kontakt mit allen Beteiligten stehen (Flüchtlinge, Betreuer/innen, Lehrkräfte)
•    Ein langer Atem hilft, mit Frustrationen umzugehen.

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Stand: 24.08.2016