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Experteninterview: Durch eine Assistierte Ausbildung zum Erfolg

Ausbildungsabbrüche vermeiden

Bettina Götz, 29, ist gelernte Maler- und Lackierermeisterin. Beim beruflichen Bildungszentrum CJD Nürnberg hat sie lange als Ausbilderin im Bereich Farbe und Raumgestaltung gearbeitet, ehe sie dort Ausbildungsbegleiterin in der Assistierten Ausbildung wurde.

Junger Mann trägt eine Isoliermatte.
Die Assistierte Ausbildung steht jedem offen.
Porträt von Bettina Götz
Bettina Götz ist Ausbildungsbegleiterin im Bereich Assistierte Ausbildung.

planet-beruf.de: Können Sie bitte kurz die Assistierte Ausbildung erklären?

Bettina Götz: Die Assistierte Ausbildung ist eine Maßnahme, die sich in zwei Phasen gliedert und von der Bundesagentur für Arbeit finanziert wird. Die Auszubildenden können mit Zustimmung der Ausbildungsbetriebe auf freiwilliger Basis teilnehmen.

Die Phase 1 beinhaltet die Vorbereitung bis zur Aufnahme einer Ausbildung. Die Phase 2 ist die ausbildungsbegleitende Phase bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss.

planet-beruf.de: Wie sieht Ihre Rolle als Ausbildungsbegleiterin in der Assistierten Ausbildung aus?

Bettina Götz: Ich fungiere vor allem als Bezugsperson für die Auszubildenden und als Ansprechpartnerin für Betriebe und Berufsschulen. Wir Ausbildungsbegleiter/innen sorgen dafür, dass die Auszubildenden eine individuelle Förderung und Unterstützung beim Lernen erhalten. Unsere Ziele sind, das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss sicherzustellen.

planet-beruf.de: An wen richtet sich die Assistierte Ausbildung?

Bettina Götz: Das Angebot richtet sich an Auszubildende, die lernbeeinträchtigt oder sozial benachteiligt sind und die ohne eine Förderung ihre Ausbildung nicht erfolgreich beenden könnten. Außerdem richtet sie sich an junge Geflüchtete, die zusätzlich eine individuelle Sprachförderung erhalten, soziale Kontakte knüpfen können und beispielsweise bei Behördengängen oder der Vermittlung zu anderen sozialen Einrichtungen wie Jugendmigrationsdiensten unterstützt werden.

Teilnehmende haben in der Regel keine berufliche Erstausbildung, besitzen die Ausbildungsreife und sind unter 25 Jahren alt.

Zwei junge Männer betrachten einen Plan.
Die Assistierte Ausbildung sorgt für gute Kommunikation zwischen den Parteien.

planet-beruf.de: Welche konkreten Vorteile bringt die Assistierte Ausbildung mit sich?

Bettina Götz: Bei Streitigkeiten zwischen Betrieb und Auszubildenden können wir frühzeitig vermitteln und Probleme schon beim Entstehen lösen. Dadurch werden Ausbildungsabbrüche vermieden.

Die Auszubildenden können außerdem für die Ausbildung wichtige fachtheoretische Inhalte vertiefen. Für die Betriebe ist diese Unterstützung übrigens kostenlos.

planet-beruf.de: Wie überzeugen Sie junge Menschen davon, dass eine Assistierte Ausbildung das Richtige für sie ist?

Bettina Götz: Viele Jugendlichen wissen selbst, dass sie ihre Ausbildung gefährden, wenn sie nicht zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Schulnoten und ihr Fachwissen zu verbessern. Wir überzeugen sie dann noch damit, dass eine abgeschlossene Ausbildung ihnen ermöglichen wird, auf eigenen Beinen zu stehen.

planet-beruf.de: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben aus?

Bettina Götz: Ich arbeite eng mit den Ausbildungsbetrieben zusammen. Sofern der Kontakt mit dem Azubi direkt oder über die Bundesagentur für Arbeit zustande kommt, informieren wir nach einem ersten Gespräch den Ausbildungsbetrieb über das Interesse des Auszubildenden. Im Anschluss schließen wir einen Kooperationsvertrag miteinander ab. Der Betrieb hat dann jederzeit die Möglichkeit sich bei uns zu melden, um seine Anliegen zu klären. Im Gespräch mit beiden Parteien suchen wir eine Lösung. Dabei gehen wir immer individuell auf die jeweiligen Gegebenheiten ein.

planet-beruf.de: Wie geht es nach Abschluss der Ausbildung für die Jugendlichen weiter, stehen Sie weiter als Ansprechpartnerin zur Verfügung?

Bettina Götz: Bereits vor Ende der Ausbildung kläre ich mit dem jeweiligen Betrieb die Übernahmechancen. Wenn eine Übernahme nicht möglich ist, unterstützen wir die Jugendlichen beim Schreiben von Bewerbungen und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Außerdem helfen wir ihnen, sich arbeitsuchend bzw. arbeitslos zu melden. Die Maßnahme endet mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.

Stand: 08.07.2020