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Interview: Mein Kind interessiert sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen

"Die Bedeutung von Gesundheitsberufen steigt immer mehr"

Eine Vielzahl von Berufen beschäftigt sich mit der gesundheitlichen Versorgung und Pflege von Menschen. Amina Hafez, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Nürnberg, kennt sowohl die Anforderungen als auch die guten Arbeitsmarktchancen dieser Berufe genau.

Eine Auszubildene am Monitor
Interviewpartnerin Amina Hafez
Amina Hafez ist Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit in Nürnberg.

planet-beruf.de: Können Sie uns die sogenannten Gesundheitsberufe etwas näher vorstellen?

Amina Hafez: Gesundheitsberufe findet man in unterschiedlichen Bereichen: In der medizinischen Versorgung (z.B. Medizinische/r Fachangestellte/r), in der Pflege (u.a. Pflegefachmann/-frau), in der Therapie (z.B. Physiotherapeut/in), bei Behörden (Sozialversicherungsfachangestellte/r), in Apotheken (z.B. Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in) und in der Medizin- und Rehatechnik (z.B. Hörakustiker/in).

planet-beruf.de: Warum besteht bei den Gesundheitsberufen ein großer Bedarf an gut ausgebildetem und motiviertem Fachpersonal?

Amina Hafez: Der demografische Wandel in der Gesellschaft ist ein wichtiger Grund dafür. Der Lebensstandard steigt zudem kontinuierlich an und die Menschen werden u.a. durch moderne medizinische Versorgung immer älter. Woran es insbesondere mangelt, ist Fachpersonal im Bereich Pflege.

planet-beruf.de: Welche formalen und persönlichen Voraussetzungen sollte man z.B. für einen Beruf im Pflegebereich erfüllen?

Amina Hafez: In der Pflege werden die Ausbildungen in schulischer Form durchgeführt. Die Schulen haben Vorgaben, die sie einhalten müssen. Das betrifft u.a. den Schulabschluss: Für Ausbildungsberufe wie Pflegefachmann/-frau muss man grundsätzlich über einen mittleren Schulabschluss verfügen. Ggf. können die Schulen auch ein Mindestalter festlegen. Zu den persönlichen Voraussetzungen gehört die gesundheitliche Eignung für einen Pflegeberuf (z.B. eine belastbare Wirbelsäule). Psychische Belastbarkeit und Stabilität werden erwartet sowie eine gleichbleibend hohe Einsatzbereitschaft. Man arbeitet mit Menschen, die ein bestimmtes Leiden haben und muss freundlich und einfühlsam reagieren und Verantwortung übernehmen können. Oft gehört auch die Arbeit in Schichten zum Alltag in der Pflege, was nicht jeder gleich gut wegsteckt.

Junger Mann füllt Formular aus.
Ein Praktikum während der Schulzeit hilft der Berufsorientierung.

planet-beruf.de: Sie sprachen davon, dass Ausbildungen im Gesundheitsbereich häufig in schulischer Form durchgeführt werden. Was muss man sich darunter vorstellen?

Amina Hafez: Das bedeutet, dass viele Kenntnisse in einer Berufsfachschule vermittelt werden. Dennoch besteht eine Ausbildung im Gesundheitsbereich nicht nur aus theoretischer Wissensvermittlung. Theoretischer und praktischer Unterricht wechseln sich ab und die praktischen Anteile werden durch Praktika, z.B. in einem Klinikum, zusätzlich erhöht. Die Bewerbung für die Ausbildung erfolgt grundsätzlich bei der Schule.

planet-beruf.de: Gibt es Möglichkeiten einer finanziellen Förderung, z.B. durch BAföG?

Amina Hafez: Bei schulischen Ausbildungen besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer finanziellen Förderung durch BAföG. Genaue Fördervoraussetzungen werden vom Amt für Ausbildungsförderung der zuständigen Kommune geprüft und man sollte sich dorthin wenden.

planet-beruf.de: Welche Möglichkeiten haben Jugendliche, ihre Eignung im Vorfeld einer Ausbildung z.B. zum/zur Pflegefachmann/-frau zu überprüfen?

Amina Hafez: Ein Praktikum noch während der Schulzeit, etwa in den Ferien, kann sinnvoll sein. Es hilft auch, sich vorher mit seinen eigenen Interessen und Stärken zu beschäftigen. Der BERUFE Entdecker oder das BERUFE-Universum auf planet-beruf.de helfen dabei, passende Berufe zu den eigenen Interessen und Stärken herauszufinden. Auch ein Termin in der Berufsberatung ist hilfreich, um Vor- und Nachteile gemeinsam abzuwägen und um sich auf dem Weg der Berufswahl begleiten zu lassen.

Stand: 30.05.2018