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Interview: Ausbildung im Bereich Dialogmarketing

Eine Branche für kommunikationsfähige Allrounder

Ralf Schepers ist Prokurist bei der communicall GmbH in Bayreuth und zertifizierter Ausbilder der IHK Bayern. Er arbeitet seit 2005 - also kurz vor der Schaffung der Ausbildungsberufe im Dialogmarketing im Jahr 2006 - in dieser Branche.

Ein junger Mann mit Headset arbeitet am Computer.
Beim Dialogmarketing arbeitest du vor allem mit Computer und Telefon.

planet-beruf.de: Welche Ausbildungsberufe gibt es im Bereich Dialogmarketing?

Ralf Schepers: Es gibt die Servicefachkraft für Dialogmarketing, das ist eine zweijährige Ausbildung, und es gibt die dreijährige Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau für Dialogmarketing. Unsere Azubis machen immer zuerst die zweijährige Ausbildung, dann haben sie schon mal einen Abschluss in der Tasche. Danach können sie noch ein Jahr dranhängen und den Abschluss Kaufmann/-frau für Dialogmarketing erlangen.

planet-beruf.de: Unter welchen Bedingungen wird in der Ausbildung gearbeitet?

Ralf Schepers: Es handelt sich um Büroarbeit mit dem Computer und dem Telefon. Je nach Unternehmen kann Schicht- oder Wochenenddienst möglich sein. Es gibt z.B. Notfallhotlines, die müssen 24 Stunden erreichbar sein.

planet-beruf.de: Welche Voraussetzungen sollte ein/e Auszubildende/r mitbringen?

Ralf Schepers: Das Wichtigste ist gutes Deutsch in Wort und Schrift. Zwar wird immer noch hauptsächlich mit den Kunden gesprochen, aber der schriftliche Anteil in Form von E-Mails, Chats und auch Dokumentationen nimmt immer mehr zu. Englischkenntnisse sind von Vorteil, da auch mal Kunden anrufen, die kein Deutsch, aber Englisch sprechen. Desweiteren ist der Spaß an der Kommunikation mit anderen unabdingbar. Wer nicht kommunikationsfähig ist, wird in diesem Bereich nicht weit kommen. Gute Computerkenntnisse zumindest bei Standardanwendungen sind ebenfalls hilfreich. Es wird außerdem viel im Team gearbeitet, daher ist Teamfähigkeit eine weitere Voraussetzung. Zu guter Letzt möchte ich noch Kundenorientierung gepaart mit Empathie nennen. Es kommt darauf an, bei einem Kunden festzustellen, wo ihn der Schuh drückt und wie man ihm weiterhelfen kann.

Der Interviewpartner Ralf Schepers bei einer Veranstaltung
communicall GmbH, Bayreuth
Ralf Schepers ist Prokurist und Ausbilder im Bereich Dialogmarketing.

planet-beruf.de: Welche Eigenschaften darf man auf keinen Fall haben?

Ralf Schepers: Man sollte nicht verschüchtert und abwartend auftreten. Außerdem darf man nicht besserwisserisch sein. In dieser Ausbildung können sich Jugendliche, gerade im Bereich der Sozialkompetenz, sehr gut weiterentwickeln. Das funktioniert aber nur wenn Sie offen für regelmäßig stattfindende Coachings sind, nach denen sie durch Reflexion herausfinden sollen, wie sie sich weiterentwickeln können.

planet-beruf.de: Worauf achten Sie bei einer Bewerbung?

Ralf Schepers: Wichtig sind mir eigentlich die Basics. Es sollte sich um gute, vernünftige Bewerbungsunterlagen handeln, die fehlerfrei  und vollständig vorhanden sind.

planet-beruf.de: Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Auszubildende in dieser Branche ein?

Ralf Schepers: Ich finde, die Zukunftsaussichten sind sehr gut, alleine schon deshalb, weil die Branche sehr groß ist. Es arbeiten laut Schätzungen ca. 550.000 Menschen im Bereich Dialogmarketing. Sie arbeiten entweder in Agenturen, die für andere Unternehmen arbeiten, oder in Firmen, die eine eigene Dienstleistungseinheit haben, wie z.B. Banken und Versicherungen. In diesen Branchen nimmt der direkte und persönliche Kontakt immer mehr ab und es wird viel mehr über das Telefon abgewickelt. Auch im Handel findet vieles vermehrt online statt. Hier braucht man viele Arbeitskräfte, die Kunden per E-Mail, per Chat oder telefonisch beraten können. Außerdem braucht die Branche Spezialisten. Da aber die Ausbildungsberufe noch so jung sind, gibt es eigentlich zu wenige.

planet-beruf.de: Wie kann man sich im Dialogmarketing weiterentwickeln?

Ralf Schepers: Nachdem man einige Zeit in diesem Bereich gearbeitet hat geht der klassische Weg z.B. von der Teamassistenz über die Teamleitung bis zur Projektleitung im Call-Center. Erfahrene Kräfte gehen aber auch oft in Personalabteilungen oder bilden sich zu Kommunikationstrainern bzw. -trainerinnen weiter.

Stand: 22.03.2017