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Experteninterview: Verantwortung will gelernt sein

Verantwortung braucht Gelegenheit

Dr. Alexander Lohmeier ist seit 1997 Diplompädagoge in der Beratungsstelle für Eltern-, Kinder- und Jugendliche im Landkreis Traunstein. Als Fachdienstleiter und 3-facher Vater trägt er Verantwortung.

Eine Frau und ein Mann haben ein Beratungsgespraech an einem Tisch.
Eltern, Jugendliche und Arbeitnehmer/innen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, kommen mit ihren Fragen in die Beratungsstellen.
Portraet von Dr. Alexander Lohmeier
privat
Dr. Alexander Lohmeier fällt es nicht schwer Verantwortung zu tragen.

planet-beruf.de: Welche Rolle spielt Verantwortung in Ihrem Beruf?

Dr. Alexander Lohmeier: Der Landkreis Traunstein hat 170 000 Einwohner, deshalb habe ich die Verantwortung für eine Hauptstelle und 3 Außenstellen plus dazugehöriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben den betriebswirtschaftlichen Aufgaben nutze ich 30% meiner Zeit für die Erziehungsberatung. Ich habe also auch Verantwortung unseren Klienten gegenüber. Privat kommt dazu, dass ich Vater dreier Kinder bin. Die zwei Großen sind gerade in der Pubertät, da trage ich natürlich auch viel Verantwortung.

planet-beruf.de: Erziehungsberatung - was ist das?

Dr. Alexander Lohmeier: Wir beraten Eltern in Erziehungsfragen, die meist in schwierigen Lebenssituationen sind. Dabei geht es beispielsweise um Scheidungen oder Todesfälle in der Familie. Aber natürlich kann jeder, der mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet, zu uns kommen. Auch ohne schwerwiegende Probleme.

planet-beruf.de: Was ist Verantwortung und wie bringt man Jugendlichen bei, sie zu übernehmen?

Dr. Alexander Lohmeier: Es gibt kein Lehrbuch, das einem beibringt wie man Verantwortungsbewusstsein erhält. Das Verantwortungsgefühl hängt meiner Meinung nach von vielen, kleinen Faktoren ab. Die wichtigsten sind folgende für mich:

Ein Maedchen raeumt die Spuelmaschine in der Kueche aus.
Bei Dr. Lohmeier gibt es z.B. eine/n "Müllverantwortliche/n". Auf der Arbeit und Zuhause!
  1. Zuerst musst man Kindern oder Jugendlichen die Möglichkeit geben Verantwortung zu tragen. Das schafft man mit Haustieren aber auch durch Geschwister.
  2. Um Verantwortung übernehmen zu können braucht es ein moralisches Bewusstsein. Das muss ich meinen Kindern vorleben und beibringen. Die sind ja auf der Moralstufe "nicht erwischt werden" und "Fernsehverbot, wenn ich erwischt werde".
  3. Konsequenz in der Erziehung hängt auch damit zusammen. Die Kinder oder Jugendlichen vergessen ganz gerne die Spülmaschine ein- oder auszuräumen. Ich muss immer wieder daran erinnern und kann nicht erwarten, dass es nach dem 4. Mal klappt.
  4. Motivation ist ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor. Wir handeln leider zu häufig defizitorientiert. Wir wissen genau, wenn etwas nicht gut läuft, anstatt häufiger zu sagen, was uns gefällt oder gut war.

planet-beruf.de: Sie selbst sind ja "pubertätsgeschädigt", wie Sie sagen. Was empfehlen Sie den Eltern?

Dr. Alexander Lohmeier: Häufig kommen Eltern zu uns mit der Frage: "Wie setz ich Entscheidungen durch?" Ich glaube, dass wir den Erziehungseinfluss der Eltern überschätzen. Jesper Juul, ein dänischer Familientherapeut und so etwas wie der "Erziehungspapst", betont immer wieder: Eltern haben höchstens 30 % Einfluss auf ihre Kinder. Der Rest passiert durch Gleichaltrige und Umwelt. Juul hat außerdem gesagt, dass "Erziehung" ab dem 12. Lebensjahr vorbei ist. Danach ist man eher so etwas wie ein Gefängniswärter. Wir können nur noch nachschauen, ob die Regeln eingehalten werden. Junge Leute sind flexibel und ändern schnell und häufig ihre Einstellung. Da braucht es Konsequenz. Wir als Eltern müssen einfach dranbleiben.

Stand: 03.04.2019
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