Experteninterview: Perspektiven in der grünen Arbeitswelt

Nachhaltigkeit hat Zukunft

Katharina Gerull ist in der Geschäftsführung der Ökofrost GmbH. Das mittelständische Berliner Unternehmen ist spezialisiert auf den Großhandel mit Bio-Tiefkühlkost unter den Marken Biopolar und BioCool. Im Interview spricht sie über die Ansprüche und Zukunftsaussichten grüner Unternehmen.

Eine Pflanze mit Frost überzogen
Grüne Berufe findet man nicht nur in der Natur. Auch der Handel mit Bio-Lebensmitteln, nachhaltigen Produkten oder regenerative Energieerzeugung sind Teil der grünen Arbeitswelt.
Porträt der Interviewpartnerin
Ökofrost GmbH
Katharina Gerull ist spezialisiert auf den Großhandel mit Bio-Tiefkühlkost.

planet-beruf.de: Frau Gerull, Sie führen ein "grünes" Unternehmen, vertreiben Bio-Tiefkühlware. Welche Berufe gibt es in Ihrem Betrieb?

Katharina Gerull: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind "ganz normal" ausgebildet. Wir haben Fachkräfte im Bereich Marketing, andere haben eine IT-Ausbildung, eine kaufmännische Ausbildung oder entsprechende Studiengänge absolviert. Das Entscheidende ist das Interesse an der Biobranche und die Identifikation mit unseren Produkten.

planet-beruf.de: Welche Voraussetzungen sollte man für die grüne Arbeitswelt mitbringen?

Katharina Gerull: Für die einzelnen Berufe selbst braucht es die gleichen Stärken wie in anderen Bereichen. Als Minimum wünschen wir uns eine Offenheit gegenüber nachhaltigem Wirtschaften und biologischen Produkten. Idealerweise vertritt man diese Ideale auch privat. Spezielle Weiterbildungen gibt es natürlich auch, bei uns als Lebensmittelhändler etwa zum Thema Naturkost. Ein Interesse weiter zu lernen ist also auch von Vorteil.

Eine junge Frau auf einem Traktor
"Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung sollte in möglichst viele Ausbildungen einfließen."

planet-beruf.de: Wo finden Eltern und Jugendliche Ausbildungsplätze in der grünen Arbeitswelt?

Katharina Gerull: Im Ausbildungsbereich sind Portale wie die JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit oder die Lehrstellenmärkte der Kammern Anlaufstellen. Steht fest, welche Ausbildung es werden wird, sollte man sich die entsprechenden Ausbildungsbetriebe anschauen. Wofür stehen diese? Wie produzieren und arbeiten sie? Später, für den Einstieg ins Berufsleben, gibt es auch speziell ausgerichtete Stellenseiten wie auf utopia.de.

planet-beruf.de: Wie sehen Sie die Perspektiven in der grünen Arbeitswelt?

Katharina Gerull: Für die Lebensmittelbranche gesprochen, denke ich, ist das Thema gerade top aktuell. Es ist ja in aller Munde, dass wir etwas für die Umwelt tun müssen, und gesunde und nachhaltige Ernährung wollen viele. Insofern schätze ich die Perspektiven ziemlich gut ein. Gut ausgebildete Fachkräfte sind in der Branche immer gefragt. Auch der konventionelle Handel hat das Thema Bio ja mittlerweile für sich entdeckt.

planet-beruf.de: Nachhaltig und umweltbewusst haushalten und wirtschaftlicher Erfolg - ist das ein Widerspruch für ein Unternehmen?

Katharina Gerull: Nein, das ist kein Widerspruch. Aber es ist nicht einfach. Mit Preisdruck und Konkurrenz müssen auch wir umgehen. Und nachhaltig ist nach unserer Definition auch, wenn wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut bezahlen. Dabei müssen wir natürlich wirtschaftsfähig bleiben. Das schaffen wir, indem wir gute Produkte führen, die überzeugen und deswegen nachgefragt werden - nicht wegen eines möglichst niedrigen Preises.

planet-beruf.de: Was wünschen Sie sich hinsichtlich Ausbildung und Nachhaltigkeit für die Zukunft?

Katharina Gerull: Es wäre toll, wenn das Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung für unsere Umwelt in möglichst zahlreiche Ausbildungen einfließt. Für viele Jugendliche ist das vielleicht gar kein Thema. Aber über aufgeschlossene Auszubildende würde vielleicht in jeder Branche stärker mitgedacht, wo neben wirtschaftlichem Erfolg unsere Verantwortungen liegen.

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Stand: 30.10.2019