Experteninterview: Schon der erste Eindruck zählt

"Auch Augen können lachen"

Claudia Hoheisel ist Personalreferentin bei der Müller Medien GmbH & Co. KG. Sie führt viele Vorstellungsgespräche und entscheidet mit ihrem Team, welche Bewerber*innen eingestellt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei der erste Eindruck, den die Bewerberin bzw. der Bewerber hinterlässt.

Eine junge Frau sitzt beim Bewerbungsgespräch einem Mann gegenüber. Im Vordergrund sind grüne Pflanzen.
Im Vorstellungsgespräch ist der erste Eindruck, den ein*e Bewerber*in hinterlässt, besonders wichtig.
Eine Frau in einer schwarzen Weste und mit einer Uhr am Handgelenk.
Müller Medien
Claudia Hoheisel achtet in Bewerbungsgesprächen auf die Körperhaltung, den Blickkontakt und das Lächeln.

planet-beruf.de: Was genau ist der erste Eindruck?

Claudia Hoheisel: Das ist das Bild, das entsteht, wenn man einen Menschen im ersten Moment sieht. Dazu zählt die Mimik, die Gestik und - wenn man sich persönlich trifft - auch der Geruch.

planet-beruf.de: Was halten Sie von dem Sprichwort "Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance"?

Claudia Hoheisel: Das stimmt, nur nicht immer. Eine Bewerberin bzw. ein Bewerber kann den ersten Eindruck im Laufe des Gesprächs verändern, sowohl ins Positive als auch ins Negative. Ein Beispiel: Ich bemerke, dass der erste Eindruck falsch war, weil der Bewerber aufgeregt und deshalb zurückhaltend war. Nachdem er sich sicher fühlt, wird er lockerer und gesprächiger, lächelt mehr und sucht Blickkontakt.

planet-beruf.de: Worauf achten Sie ganz bewusst bei einem ersten Treffen?

Claudia Hoheisel: Ich achte auf die Körperhaltung, ob jemand zusammengesunken dasitzt oder mit geradem Rücken, ob er Blickkontakt hält und ob jemand lächelt. Vor Corona habe ich auch darauf geachtet, wie der Händedruck ausfällt, ob er lasch ist oder ob mein Gegenüber einen guten Händedruck hat.

planet-beruf.de: Da Händeschütteln gerade nicht möglich ist - was raten Sie jungen Bewerberinnen und Bewerbern stattdessen?

Claudia Hoheisel: Man sieht mit der Maske nicht viel vom Gesicht, aber auch Augen können lachen. Ich rate dazu, mit der Körperhaltung und mit den Augen zu kommunizieren.

planet-beruf.de: Was kann eine Bewerberin bzw. ein Bewerber tun, wenn beim ersten Eindruck etwas schiefgelaufen ist?

Claudia Hoheisel: Da empfehle ich, dass sie bzw. er anruft und ohne Scheu das Thema anspricht. Wenn jemand anruft und sagt, "Ich habe mich so verhalten, wie es normalerweise nicht meine Art ist, aber ich war so aufgeregt", freue ich mich und dann lade ich diejenige bzw. denjenigen gerne nochmal ein, um zu schauen, ob das wirklich stimmt.

planet-beruf.de: Wie beeinflusst es den ersten Eindruck, wenn ein Gespräch online stattfindet?

Claudia Hoheisel: Im Moment ist es schwierig, einen ersten Eindruck von den Bewerberinnen und Bewerbern zu bekommen, weil alles online läuft. Wir laden sie daher ein, zum Zweitgespräch in das Unternehmen zu kommen. Dann sehen wir die Bewerberinn bzw. den Bewerber auch "live".

Claudia Hoheisel: Acht Tipps für einen gelungenen Einstieg am ersten Arbeitstag

  • Offen auf die Kolleginnen und Kollegen zugehen
  • Interesse zeigen
  • Gut zuhören bei der Einarbeitung
  • Mitschreiben
  • Fragen stellen
  • Sich nicht verstellen
  • Respekt zeigen, zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen siezen
  • Nicht vorpreschen, sich eher zurückhalten. Fragen und Interesse sind gut - solange man sich damit nicht aufdrängt.