Soziales Engagement im Ausland

Und jetzt? Freiwillig engagieren!

Von der Abenteuerlust gepackt wollte Dawi nach der Schule erst mal eine Verschnaufpause. Er entschied sich, mithilfe des Freiwilligendiensts "weltwärts" ins Ausland zu gehen. Der 19-Jährige hat so ein Jahr in der Dominikanischen Republik verbracht.

Dawi und einige Jungen, die er betreut.
Pressebild Café con Leche
Dawi hilft seinem Kollegen beim Fußballtraining mit den Kindern.

planet-beruf.de: Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst im Ausland entschieden?

Dawi: Ich wusste schon lange, dass ich nach dem Schulabschluss nicht direkt eine Ausbildung machen oder studieren wollte. Über Freiwilligendienste im Ausland erfuhr ich über Geschwister von Freunden. Ich wollte mal aus Europa rauskommen und Länder kennenlernen, deren Natur, Kulturen und Lebensumstände sehr viel anders sind, als in Deutschland.

Porträt von Dawi
Privat
Dawi hat ein Jahr in der Dominikanischen Republik für Café con Leche gearbeitet.

planet-beruf.de: Wen unterstützt das Projekt "Café con Leche"?

Dawi: Café con Leche ist ein von deutschen Studenten im Jahre 2010 gegründetes Fußballprojekt. Es hilft Kindern in den Slums, den sogenannten Bateys, am Stadtrand von der Hauptstadt Santo Domingo, um ihnen eine Perspektive zu bieten. Es bemüht sich, die Schulbildung zu sichern, ihnen Selbstvertrauen zu geben und gegen den vorherrschenden Rassismus zwischen Dominikanern und Haitianern anzugehen, indem dominikanische und haitianische Kinder zusammen Fußball spielen.

So unterstützen wir über 120 Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 20 Jahren. Etwa 70-80 % der Kinder sind haitianischer Herkunft.

.
Junge Dominikaner und Haitianer beim Fußball spielen.
Pressebild Café con Leche
Beim Fußball spielen ist es egal, wo man geboren wurde.

planet-beruf.de: Welche Aufgaben hast du?

Dawi: Neben dem Assistieren im Fußballtraining selbst, organisieren meine Projektpartnerin Kim und ich Spiele, Turniere, Ausflüge und andere Aktionen für die Kinder. Wir bieten Englischunterricht, Informatikunterricht und Nachhilfe an. Außerdem regele ich alle finanziellen Aufgaben des Projektes vor Ort.

planet-beruf.de: Wie sah die Vorbereitung aus?

Dawi: Einen Monat vor der Ausreise hatte ich zwei Vorbereitungsseminare von meiner Entsendeorganisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Hier wurde mir die Bedeutung und Verantwortung eines Freiwilligendienstes im Ausland erklärt. Selbstverständlich wurden mir die Dominikanische Republik vorgestellt und Verhaltensregeln erklärt. Hierbei ging es auch um kulturelle Unterschiede und Probleme, die diese mit sich bringen können. Außerdem hatte ich zusammen mit meiner Projektpartnerin ein Seminar von Café con Leche selbst, bei dem wir spezifisch auf unsere Projektarbeit vorbereitet wurden.

Junge Dominikaner und Haitianer im Schwimmbad.
Pressebild Café con Leche
Auch ein Ausflug ins Schwimmbad gehört zu den Aktionen des Projekts.

planet-beruf.de: Gab es Sprachschwierigkeiten zu überwinden?

Dawi: Ich hatte zwar ein paar Jahre in der Schule Spanisch gelernt, allerdings ist das dominikanische Spanisch sehr anders als das Schulspanisch. Am Anfang war deswegen das Kommunizieren nicht leicht. Jedoch lebte ich in einem Stadtteil, in dem fast niemand Englisch spricht, und war so gezwungen, mich immer auf Spanisch zu verständigen. So lernte ich in kürzester Zeit die Grundlagen und nach drei, vier Monaten konnte ich fließend Spanisch sprechen.

planet-beruf.de: Gibt es kulturelle Unterschiede?

Dawi: Kulturell unterscheidet sich die Dominikanische Republik sehr von Deutschland. Das Leben passiert auf der Straße: Überall tönt laute Musik und es wird getanzt. Die Menschen sind offen und Gemeinschaft sowie Familie haben einen höheren Stellenwert als es in Deutschland üblich ist. Zuerst war es nicht leicht, mit der Lautstärke, mit der Armut und Umweltverschmutzung klarzukommen. Es waren sehr viele neue Eindrücke in kürzester Zeit. Aber man lernt sich zurechtzufinden, gewöhnt sich, zumindest ein bisschen, an Hitze und Lärm, und kann in die dominikanische Kultur eintauchen und sie genießen.

Junge Haitianer und Dominikaner am Strand.
Pressebild Café con Leche
Die gemeinsamen Ausflüge zum Strand sind bei den Jugendlichen besonders beliebt.

planet-beruf.de: Nimmst du dir was von der anderen Kultur mit nach Hause?

Dawi: Die Armut, die zum Teil in der Dominikanischen Republik existiert, gibt es in Deutschland nicht. Trotz allem beklagen sich die Dominikaner so gut wie nie. Wenn man weiß, wie schlecht es den Menschen dort geht, ist der Standard, den wir in Deutschland haben, absoluter Luxus. Man merkt erst, wie gut es einem geht, wenn man das Gegenteil gesehen und gespürt hat. So kann ich all das, was wir in Deutschland haben, mehr wertschätzen. Außerdem werde ich die Musik sowie das leckere dominikanische Essen sehr vermissen.

planet-beruf.de: Was bringt dir der Freiwilligendienst für die Zukunft?

Dawi: Es ist eine einzigartige Erfahrung, die einen persönlich an Grenzen bringt und fordert. Ich habe mich sehr entwickelt und bin reifer geworden. Man lernt sich selbst besser kennen und weiß, wie man in schwierigen Situationen reagiert. Außerdem habe ich eine andere Sprache richtig gelernt, was in einer globalen Welt sehr wichtig ist. Man hat erste Arbeitserfahrungen und lernt, unter schwierigen Umständen zu leben. Auch für die Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz ist ein Freiwilligendienst im Ausland ein großer Vorteil.

Seite bewerten

Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 4.3 von 5. 21 Stimme(n). Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Stand: 23.09.2015