MINT-Ausbildungsberuf: Oberflächenbeschichter/in

Gefragte Fachkraft

Arbeiten mit Handschuhen und säurefester Hose? Vanessa schreckt das nicht ab. Sie mag Chemie, ist gern in Bewegung und möchte nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen. Da ist die Ausbildung zur Oberflächenbeschichterin genau das Richtige für sie.

Zwei Oberflächenbeschichterinnen im Labor
Eine Schutzbrille ist bei der Arbeit mit säurehaltigen Flüssigkeiten Pflicht.
Porträt von Vanessa, Auszubildende als Oberflächenbeschichterin
Firma Günter Effgen GmbH
Vanessa kam durch ein Praktikum zu ihrer Ausbildung als Oberflächenbeschichterin.

Vanessa ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Oberflächenbeschichterin bei der Firma Günter Effgen GmbH in Herrstein. Ihr Betrieb stellt Diamant-Schleifwerkzeuge in Einzelfertigung her, also z.B. Schleifscheiben mit Diamantbeschichtung. Wie das funktioniert?

"Zunächst werden in der Dreherei Werkstücke aus Stahl hergestellt, die sogenannten Grundkörper. Ich reinige die Grundkörper in chemischen Bädern, damit sie fett- und rostfrei sind. Anschließend bestreue ich die Werkstücke mit Diamantkörnern und tauche sie in ein Becken mit einer Nickellösung, das nennt man Nickelbad.

Nun klemme ich den Strom an. Das Bad leitet den Strom, der Nickel setzt sich auf dem Werkstück ab und bindet die Diamantkörner fest an den Stahlgrundkörper." Anschließend wird das Werkstück in der Dreherei weiterbearbeitet, bis man als Endprodukt eine glänzende Schleifscheibe mit Diamantbeschichtung erhält. Damit wird dann z.B. Glas bearbeitet.

Zwei Hände mit Schutzhandschuhen heben galvanisierte Werkstücke aus dem Bad.
Ivy Rauner
In chemischen Bädern werden die Werkstücke gereinigt.

Unverzichtbar: Chemie, Mathe und Physik

Besondere technische Kenntnisse musste Vanessa für ihre Ausbildung nicht mitbringen. "Wichtig ist, dass man in Chemie, Mathe und Physik gut ist", rät Vanessa. Schließlich wird beim Galvanisieren - so heißt die Technik, mit der sie arbeitet - die Beschichtung mithilfe von chemischen Lösungen und Strom hergestellt. Und wenn Vanessa chemische Bäder ansetzt, muss sie berechnen, wie viel sie von welcher Chemikalie benötigt.

Vanessa ist zwar den ganzen Tag auf den Beinen, aber schwere Werkstücke tragen muss sie nicht: "Wir fertigen sowohl kleine Werkzeuge, die nur ein paar Gramm wiegen, als auch richtig große und schwere, die bis zu 250 kg wiegen. Diese Werkstücke transportiere ich aber mit einem Kran."

Arbeitsschutz steht an oberster Stelle

Was bei der Arbeit mit Chemikalien wichtig ist? "Ich trage immer Schutzkleidung. Dazu gehören säurefeste Hosen, Handschuhe und Schutzbrille. Für manche Tätigkeiten benötige ich auch Gummistiefel. Aber meistens trage ich Schuhe mit Stahlkappen, da ich ja auch schwere Werkstücke transportiere. Und ich muss natürlich immer umsichtig arbeiten, um mich und andere nicht zu gefährden."

Durchs Praktikum zur Ausbildung

Auf ihren Ausbildungsberuf aufmerksam geworden ist Vanessa durch ein Praktikum. "Ich wollte beruflich gerne etwas mit Chemie machen und habe recherchiert, welche Firmen in der Region Praktika in diesem Bereich anbieten. Meinen jetzigen Ausbildungsbetrieb konnte ich bei einem vierwöchigen Praktikum kennenlernen. Das Praktikum hat mir gut gefallen, deshalb habe ich mich um einen Ausbildungsplatz beworben."

Eine Ausbildung für Mädchen wie für Jungs

In Vanessas Betrieb und auch in der Berufsschule gibt es deutlich mehr Jungs als Mädchen, die Oberflächenbeschichter/innen werden. Dabei findet Vanessa, dass es in ihrer Ausbildung keine Aufgaben gibt, die Frauen nicht genauso gut erledigen können wie Männer. "Manchmal werde ich tatsächlich gefragt, warum ich mich gerade für diesen Ausbildungsberuf entschieden habe. Aber ich bin einfach ein Mensch, der nicht gerne den ganzen Tag vorm Computer sitzt." Und wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig ist, ist sie eine gefragte Fachkraft: Denn von Werkzeugen über Autos bis zu Computern gibt es eine riesige Bandbreite von Produkten, die beschichtet werden.

Fakten zur Ausbildung

Ausbildungsform: dual in Betrieb und Berufsschule

Dauer: 3 Jahre

Zugangsvoraussetzungen: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss und mit Hauptschulabschluss ein.

Alternativen z.B.: 

  • Verfahrensmechaniker/in für Beschichtungstechnik
  • Feinpolierer/in

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Stand: 31.01.2018
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