Job inside: Chemikant/in

Waschkraft nach Rezeptur

Anna-Carina wird Chemikantin bei der Henkel AG & Co. KGaA. Täglich stellt sie Waschmittel, Klebstoffe und Kosmetikprodukte her. Kosmetika kauft Anna-Carina auch privat gerne, zur Arbeit geht sie aber ungeschminkt! Warum, verrät sie im Interview.

Anna-Carina bei der Arbeit an einer Maschine.
Henkel AG & Co. KGaA
Anna-Carina übernimmt viele Aufgaben bereits selbstständig.

planet-beruf.de: Weshalb wirst du Chemikantin?

Anna-Carina: Mein Interesse an Chemie und Biologie habe ich in der Schule entdeckt. Diese Reaktionen auf molekularer Ebene haben mich fasziniert. Auch Technik hat mich früh begeistert. In Papas Keller habe ich z.B. kleine Kupferrohre zusammengeschraubt. Dann habe ich etwas über den Beruf "Chemikantin" gelesen. An Tagen der offenen Tür habe ich mir Ausbildungsstätten angeschaut. So wusste ich, was Chemikantinnen überhaupt machen und welche Produkte sie herstellen. Die Firma Henkel war von Anfang an mein Favorit. Klar kannte ich die bekannten Marken von Kosmetika und Waschmitteln!

planet-beruf.de: Welchen Beitrag leistest du zu einem Waschmittel?

Anna-Carina: Nach unseren Rezepturen beschaffe ich die Rohstoffe. Sie werden mit Flurförderfahrzeugen und kleinen Kränen an die Schüttstellen gebracht, die zum Mischer führen. Dort werden sie gemischt. Die Basis ist immer Seife. Ausschlaggebend für die Waschkraft sind die Enzyme. Tenside braucht man, um saubere Wäsche zu bekommen, denn durch sie löst sich Fett z.B. im Wasser.

Besonders achten muss ich auf die pH-Werte. Die Haut hat einen leicht sauren pH-Wert. Macht man ein Waschmittel z.B. zu sauer oder alkalisch, ist das schädlich für die Haut und kann zu Irritationen führen. Deshalb nehme ich in zeitlichen Abständen Proben und kontrolliere den pH-Wert. Sollten Abweichungen auftreten, wird mittels Säure oder Lauge bis zum hautneutralen pH-Wert 7 korrigiert. Ist er zu hoch, korrigiere ich ihn durch Säure, ist er zu niedrig, gebe ich Lauge hinein. Duft stoffe füge ich über Leitungen hinzu. Mit ihnen dürfen wir nicht in Kontakt kommen, sie würden Augen und Nase zu sehr reizen. Das Waschmittel selbst enthält sie später in einer sehr viel geringeren, ungefährlichen Konzentration. Waschpulver darf am Ende weder zu feucht noch zu trocken sein und die Korngröße muss stimmen.

Weiterbildung? Na klar!

Anna-Carina möchte sich nach ihrer Ausbildung zur Technikerin der Fachrichtung Chemietechnik weiterbilden und trotzdem arbeiten. Eine Abendschule ist deshalb perfekt für sie. Mehr Infos zu den verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten findest du auf www.berufenet.arbeitsagentur.de » Beruf eingeben » Perspektiven » Aufstiegsweiterbildung.

Anna-Carina steuert eine Maschine.
Henkel AG & Co. KGaA
Bei Störungen muss in der Produktion alles sehr schnell gehen.

planet-beruf.de: In den Bereich Kosmetikproduktion hast du auch schon Einblick bekommen. Siehst du Kosmetika jetzt mit anderen Augen?

Anna-Carina: Ich benutze gerne Kosmetika, das Gefühl ist nicht anders als vor meiner Ausbildung. Allerdings dachte ich immer, ein bisschen Seife, ein bisschen Wasser, mehr ist da nicht drin. Nun weiß ich genau, welche Inhaltsstoffe im Spiel sind. In der Produktion kommt es auf das perfekte Styling aber nicht an. Man kommt so, wie man ist - ich bin dort auch ungeschminkt!

 

planet-beruf.de: Wo hältst du dich während deiner Arbeit auf?

Anna-Carina: In einer riesigen Produktionshalle mit insgesamt sieben Etagen. Überall sind Rohrleitungen und Anlagen. Diese fahre ich alleine. Als Azubi werde ich wie eine vollwertige Mitarbeiterin behandelt. Natürlich kann ich aber immer fragen.

planet-beruf.de: Welche Erfahrungen hast du als Frau in deinem Beruf gemacht?

Anna-Carina: Rundum positive! Vorurteile gab es bei meinen männlichen Kollegen, das sind circa 90 Prozent, gar keine. Aber als Chemikantin muss ich schon selbstbewusst durch den Beruf gehen, Entscheidungen treffen und den "Mund am richtigen Fleck haben"! In der Produktion geht es manchmal ein  wenig grob zu. Bei Störungen muss alles sehr schnell gehen. Es gibt keinen Grund, warum Frauen nicht Chemikantin werden sollten. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und bin glücklich mit den täglich neuen Herausforderungen!

Fakten zur Ausbildung

Ausbildungsform: dual in Betrieb und Berufsschule

Dauer: 3,5 Jahre

Zugangsvoraussetzungen: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Ausbildungsanfänger/innen mit
mittlerem Bildungsabschluss ein.

Alternativen z.B.: 

  • Chemielaborant/in
  • Pharmakant/in

Seite bewerten

Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 3.8 von 5. 10 Stimme(n). Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Stand: 27.01.2016
Berufe Entdecker
BWT

Suche

Ihr möchtet Infos über Berufe mit MINT bekommen? Dann schaut mal auf unsere

MINT-Suche

Mehr Infos

Berufe von A bis Z:

Chemikant/in

Download

Den gesamten Beitrag aus "MINT/SOZIAL for you, Ausgabe 2016" als PDF-Datei herunterladen:

Waschkraft nach Rezeptur