Job inside: Binnenschiffer/in

Land in Sicht

Can hat täglich einen besonderen Blick auf seine Heimatstadt Berlin: Er ist als Matrose auf den Wasserstraßen der Hauptstadt unterwegs. Welche Aufgaben der Binnenschiffer dabei übernimmt und wie sein Arbeitstag aussieht, schildert er im Interview.

Matrose Can auf dem Schiff
WSA Berlin
Leinen los: Nach dem Rundgang kann die Fahrt beginnen.

planet-beruf.de: Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Can: Ein Bekannter hat mich auf den Beruf Binnenschiffer/in aufmerksam gemacht. Ich habe meine Ausbildung beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Berlin absolviert und arbeite nun im Außenbezirk Spandau.

planet-beruf.de: Welche Aufgaben hast du als Binnenschiffer?

Can: Ich bin gerade als Matrose auf einem Bereisungsschiff im Einsatz. Es dient dazu, Mitarbeiter/innen des Wasserstraßen-Neubauamtes umherzufahren, die die Wasserstraßen prüfen. Außerdem sperren wir Wasserverkehrsstraßen, wenn eine Regatta stattfindet und sorgen dafür, dass dann kein großes Schiff durchfährt und hohe Wellen macht. Wir kümmern uns um den korrekten Zustand der Wasserstraßen und darum, dass immer die richtige Wassertiefe gewährleistet ist.
Mithilfe eines Echolots messen wir die Entfernung vom Grund und baggern, wenn die Tiefe nicht stimmt, den Boden auf.

Nahaufnahme von einem Schiff unter einer Brücke
Das Manövrieren unter Brücken oder durch Schleusen verlangt Geschick.

planet-beruf.de: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Can: Ich stehe täglich um 4 Uhr auf, damit ich pünktlich um 6 Uhr auf dem Schiff bin. Dann mache ich die Maschine des Schiffs klar und prüfe bei einem Rundgang, ob alles in Ordnung ist. Anschließend starte ich die Maschine und es geht los. Natürlich immer mit dem Schiffsführer – ohne ihn darf ich gar nicht fahren. Im Winter haben wir z.B. die Aufgabe, den Eisbrecher zur Wartung auf die Werft zu fahren. Falls dickes Eis kommen sollte, ist das Schiff einsatzbereit.

planet-beruf.de: Was sind tägliche Herausforderungen in deinem Beruf?

Can: Durch Schleusen zu fahren, ist immer wieder spannend. Wenn man alleine in der Schleuse ist, hat man Platz zu rangieren. Wenn man noch drei Schiffe vor sich hat und nur einen Meter Abstand zum Vordermann, kann das durchaus riskant werden – da muss ich auf Deck darauf achten, nicht über Bord zu gehen. Die Schleusen im Innenstadtbereich sind nicht so aufregend – sie gehen vielleicht drei bis vier Meter hinauf und hinunter. Bei manchen muss man aber 40 oder 50 Meter Höhenunterschied bewältigen.

Nahaufnahme Can an einem Schiffsmotor
WSA Berlin
Can ist handwerklich geschickt: Er muss auch mal einen Motor auseinandernehmen und Maschinen warten.

planet-beruf.de: Welche Stärken sind für deinen Beruf wichtig?

Can: Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Selbstständigkeit ist wichtig – ich verpflege mich selbst und koche täglich auf dem Schiff. Mitdenken und wissbegierig bleiben, das finde ich nicht nur während der Ausbildung gut. Handwerkliches Geschick und Sinn für Technik braucht man auf jeden Fall: Ich baue auch mal einen Motor auseinander und muss Maschinen warten. Hilfsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit – das sind Stärken, die man in einem Team unbedingt braucht.

planet-beruf.de: Was magst du besonders gerne an deinem Beruf?

Can: Ich finde es toll, täglich zu sehen, wie die Sonne über dem Wasser aufgeht. Andere bezahlen für solche Fahrten (lacht). Aber es ist natürlich nicht nur Romantik dabei, sondern auch viel Arbeit und Anstrengung. Wenn mir der Schiffsführer erlaubt, ein Stück selbst zu fahren, ist das meine schönste Belohnung.

Fakten zur Ausbildung

Tätigkeiten: Binnenschiffer/innen führen und steuern Schiffe auf Binnengewässern, transportieren Güter und befördern Fahrgäste.
Ausbildungsform: duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
Dauer: 3 Jahre
Zugangsvoraussetzungen: Die Betriebe stellen überwiegend Ausbildungsanfänger/innen mit mittlerem Bildungsabschluss ein.
Weiterbildung: Wer beruflich vorankommen möchte, kann sich nach der Ausbildung z.B. zum/zur Schiffsführer/in qualifizieren oder eine Weiterbildung zum/zur Logistikmeister/in oder zum/zur Technischen Fachwirt/in machen.

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Stand: 11.05.2016
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