Topstory: Felix Jaehn

"Technisches Verständnis habe ich mir selbst beigebracht"

Turntables, Headphones, Elektro-Beats - wenn er auftritt, stehen keine Füße still. Felix Jaehn ist derzeit einer der angesagtesten deutschen DJs und hat es mit seinem Sound sogar geschafft, die amerikanischen Charts zu erobern. Im Interview mit planet-beruf.de spricht er über das DJ-Leben, seine Stärken und seine Pläne …

Felix bei einem Auftritt
Martin Weinhage / Universal
Seit seinem 16. Lebensjahr ist Felix als DJ tätig.

planet-beruf.de: Schon mit 16 hast du in Clubs aufgelegt. Wie hast du Schule und dein Hobby vereinbaren können?

Felix Jaehn: Das ging eigentlich ohne Probleme. Ich hatte bis 15 Uhr Schule, dann musste ich Hausaufgaben machen und lernen. Anschließend hatte ich Zeit, um meinem Hobby nachzugehen. Das Einzige, was meine Familie nicht so gut fand, war mein Auftritt, den ich während der Prüfungsphase hatte. Ich wollte den unbedingt machen und durfte dann auch. Aber ich habe trotzdem einen vernünftigen Abschluss gemacht. (lacht)

planet-beruf.de: Hattest du in der Schule Interesse für Technik und Elektronik?

Felix Jaehn: Was technische Prozesse angeht, das war ehrlich gesagt nie so meins. Auch in Physik und Chemie war ich nicht so gut. Meine Stärken lagen im sprachlichen und kreativen Bereich. Das technische Verständnis für den Computer, z.B. wie das Produzieren von Musik, habe ich mir selbst angeeignet.

planet-beruf.de: Du hast erst Geige gespielt. Nun machst du elektronische Musik. Wann hast du gewusst, dass Plattenauflegen dein Ding ist?

Felix Jaehn: Es gab keine konkrete Situation, das war mehr so ein Prozess. Als die ersten Geburtstagspartys mit Musik gefeiert wurden, habe ich festgestellt, dass mir schon immer wichtig war, was gerade läuft. Da habe ich einfach angefangen, mit meinen Playlists das musikalische Programm des Abends zu gestalten. Ich habe mein erstes Equipment gekauft und mit Freunden und meinem Bruder im kleinen Rahmen auf Partys aufgelegt. Dann ging es Schritt für Schritt weiter.

planet-beruf.de: Was sind deine wichtigsten Eigenschaften, die du als DJ brauchst?

Felix Jaehn: Musikalisches Verständnis und nicht schüchtern sein, weil man auf der Bühne für gute Stimmung sorgen muss. Man muss sehr zielstrebig und geduldig sein. Es versuchen sehr viele und es braucht Jahre, bis man sich das Wissen und Können aneignet.

planet-beruf.de: Warum hast du dich für eine Karriere als Musiker entschieden?

Felix Jaehn: Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Davon träumen viele, die einem Hobby intensiv nachgehen. Dass ich das nun mit der Musik weitermachen kann, ist das Beste, was mir passieren konnte. Natürlich ist es auch eine Herausforderung, z.B. Reisen zwischen den Zeitzonen, der Druck und der enge Terminkalender. Deshalb muss man im Kopf und im Körper fit bleiben, um das positiv gestalten zu können.

Porträt von Felix
Nicolas Kantor / Universal
Aus der eigenen Playlist wurde eine Karriere als DJ. Dafür geht er viel auf Reisen.

planet-beruf.de: Singst du auch selbst?

Felix Jaehn: Ich sing nicht selbst, höchstens unter der Dusche, aber nicht in meinen Liedern. (lacht)

planet-beruf.de: Das Schwerpunktthema der Ausgabe sind Berufe rund um Energie und Elektro. Könntest du dir vorstellen, in den Branchen zu arbeiten?

Felix Jaehn: Dazu fehlt mir das handwerkliche Geschick oder das technische Verständnis. Wenn ich es mit der Musik aber nicht geschafft hätte, wäre ich gerade im zweiten Jahr des dualen Studiums "Medienmanagement". Ich hatte erst ein Betriebswirtschaftsstudium angefangen, habe aber gemerkt, dass mir das zu trocken ist. Das duale Studium war passend für mich: mit  betriebswirtschaftlichen Grundlagen und dem praktischen Anteil mit Bezug zur Musik.

planet-beruf.de: Mit dem Song "Cheerleader" kam der große Erfolg: In mehreren Ländern warst du auf Platz eins. Was hat sich dadurch für dich verändert?

Felix Jaehn: Ich habe schon vorher Musik produziert und hatte Auftritte als DJ. Durch den Erfolg ist alles intensiver geworden: also viel mehr Reisen, mehr Auftritte. So konnte ich weiter Musik machen - professionell.

planet-beruf.de: Deine neue Single heißt "Book of Love". Wie ist das Lied entstanden?

Felix Jaehn: Als ich im Oktober 2014 im Club in Paris aufgelegt habe, habe ich dort die Sängerin Polina getroffen. Dabei ist die Idee entstanden, dass wir was zusammen machen wollen. Wir haben unsere Kontakte ausgetauscht und anschließend verschiedene Versionen des Songs hin- und hergeschickt.

planet-beruf.de: Für den Track "Ain’t Nobody (Loves Me Better)" hast du die Sängerin Jasmine Thompson auf ihrem YouTube Channel entdeckt. Wie wichtig ist für dich das Internet und Social Media?

Felix Jaehn: Ich bin mit dem Internet aufgewachsen und war erst bei schülerVZ, dann bei Facebook. Für meine Musik und mich als Künstler ist das Internet wichtig, um eine Plattform zu haben und mich mit meinen Fans austauschen zu können. Ich bin überall präsent: z.B. bei Facebook, Instragram, Twitter, Snapchat oder YouTube. Wenn man damit geschickt umgeht, kann man sich Fanbase aufbauen, ohne Kontakte, Mittel oder Geld zu benötigen.

planet-beruf.de: Und wie nutzt du soziale Plattformen privat?

Felix Jaehn: Da muss man das Für und Wider abwägen. Natürlich ist es immer besser mit Freunden und Familie persönlich Zeit zu verbringen, als ständig im Internet Nachrichten hin- und herzuschreiben. Aber um Kontakt mit Freunden zu halten, die weit weg leben, oder wenn ich unterwegs bin, sind soziale Netzwerke super.

planet-beruf.de: Was planst du als Nächstes?

Felix Jaehn: Ich bin dauernd auf Tour und habe jede Woche zwei bis fünf Auftritte. Ich habe z.B. Club-Gigs in Los Angeles oder Montreal und spiele auf großen Festivals im Ausland. Das sind Riesenhighlights! Außerdem arbeite ich an meinem ersten Album. D.h., ich bin zurzeit viel im Studio, treffe mich mit Sängerinnen und Sängern. Ich produziere auch während ich z.B. im Flugzeug bin auf meinem Laptop weiter. Das Album soll im Frühjahr nächsten Jahres erscheinen und ist zurzeit mein größtes Projekt.

Starfragebogen

Kabelsalat ist für mich

… absolut ätzend!

In meinen Koffer muss unbedingt …

Kopfhörer, USB-Stick und Klamotten.

Mein Hobby neben Musik ist …

(lacht) Fußball. Das habe ich früher im Verein gespielt. Aber im Wesentlichen ist es vor allem die Musik.

Heimat bedeutet für mich …

zu Hause mit Familie und Freunden Zeit zu verbringen.

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Stand: 11.11.2015
Berufe Entdecker
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