Top-Story: Dzsenifer Marozsán

"Sei mit Herz und Leidenschaft dabei!"

Schon als kleines Mädchen hat Dzsenifer Marozsán auf dem Bolzplatz mit den Jungs um den Fußball gekämpft. Und sich durchgesetzt: Sie gehört nun zu den besten Spielerinnen der Welt. Ihr Rückhalt ist ihre Familie, ihr Antrieb die Liebe zum Sport.

Porträt von Dzsenifer Marozsán
DFB
Dzsenifer als Spielmacherin und Kapitänin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in ihrem Element.

planet-beruf.de: Schon dein Vater war in Ungarn ein bekannter Fußballspieler. Wann hast du mit dem Fußballspielen begonnen?

Dzsenifer Marozsán:
Fußball hat bei uns zu Hause schon immer eine große Rolle gespielt. Ich habe mit sieben Jahren angefangen im Verein zu spielen. Damals gab es noch nicht so viele Mädchenmannschaften, deswegen bin ich in eine Jungenmannschaft gekommen. Meine Mutter war nicht so begeistert und wollte mich von anderen Möglichkeiten überzeugen. Ich hatte Tanzunterricht und Klavierunterricht. Aber das war alles nichts für mich. Nach einiger Zeit hat meine Mama meinen Wunsch akzeptiert und heute ist sie sehr stolz auf mich.

planet-beruf.de: Wie hast du deine Karriere als Fußballspielerin mit der Schule vereinbaren können?

Dzsenifer Marozsán: Ich hatte das Glück, dass die Gesamtschule Rastbachtal, die ich besucht habe, zum Leistungszentrum wurde. Der Sport wurde dort sehr gefördert. Das eröffnete mir die Möglichkeit, vor und nach Unterrichtsende zu trainieren. Deshalb konnte ich mein Hobby zum Beruf machen.

planet-beruf.de: Seit 2016 spielst du bei Olympique Lyon in Frankreich. War es einfach für dich, Deutschland, deine Familie und Freunde zu verlassen?

Dzsenifer Marozsán: Grundsätzlich bin ich ein sehr familiärer Mensch. Ich habe einen sehr engen Kontakt mit meiner Familie. Es ist mir deshalb nicht leicht gefallen, mein Umfeld zu verlassen. Aber ich bin sehr froh, den Schritt gemacht zu haben und meine Familie unterstützt mich in jeder Hinsicht. Klar vermisse ich meine Freunde. Aber ich fühle mich sehr wohl und bin froh, die Entscheidung so getroffen zu haben.

planet-beruf.de: Wie sieht denn dein Alltag als Profifußballerin aus?

Dzsenifer Marozsán: Ich trainiere ein- bis zweimal pro Tag. Ich stehe um acht Uhr auf, mache mich fertig und gehe zum Trainingsgelände. Dort wird eineinhalb bis zwei Stunden trainiert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und zwei Stunden Pause wird wieder trainiert. Um sechs Uhr bin ich dann zu Hause, koche mir etwas und lasse den Tag gemütlich ausklingen.

STARFRAGEBOGEN

Mein Vorbild ist …
Christiano Ronaldo.

Fußballspielen bedeutet für mich …
Leidenschaft, Ehrgeiz und Spaß!

Ich engagiere mich für …
den Frauenfußball und für internationale Kinderpatenschaften.

Eine Berufsausbildung ist super, weil …
sie neben dem Sport noch andere Möglichkeiten eröffnet. Mein Bruder hat sich sehr früh beim Fußball verletzt und hat deshalb einen neuen Weg eingeschlagen.

planet-beruf.de: Deine Karriere ist beeindruckend: Du hast z.B. mit Olympique Lyon die nationale Meisterschaft geholt, den Pokalwettbewerb und die Champions League gewonnen und bist Spielmacherin und Kapitänin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Welche Stärken zeichnen dich als Fußballerin aus?

Dzsenifer Marozsán: Ich glaube, meine Stärken sind vor allem meine Technik, meine Übersicht und Kreativität auf dem Spielfeld. Ich versuche, meine Mitspielerinnen gut in Szene zu setzen und das Offensivspiel zu gestalten.

planet-beruf.de: Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2017 lief nicht sehr gut für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Wie gehst du mit sportlichen Niederlagen um?

Dzsenifer Marozsán: Im Turnier wird man für jeden Fehler knallhart bestraft. Natürlich hat Deutschland immer hohe Anforderungen an die Mannschaft. Die Niederlage tat mir sehr weh, aber ich habe sie verarbeitet und jetzt heißt es, nach vorne zu schauen. Du musst nach Niederlagen wieder aufstehen, dich neu beweisen und dir neue Ziele stecken.

planet-beruf.de: Viele Jugendliche haben den Wunsch, Profifußballer/in zu werden. Was rätst du ihnen?

Dzsenifer Marozsán: Man sollte sich keinen Druck machen, sondern mit Herz und Leidenschaft dabei sein. Ich hatte nie das Ziel, Nationalspielerin zu werden. Ich wollte einfach nur Fußball spielen.

planet-beruf.de: Was hättest du getan, wenn es mit einer Karriere als Fußballerin nicht geklappt hätte?

Dzsenifer Marozsán: Ich wollte schon immer etwas mit Sport machen. Ich habe beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert. Das hat gut gepasst, die Arbeit drehte sich jeden Tag um den Fußball (sie lacht). Die Ausbildung war sehr lehrreich, aber ich bin nicht der Typ, der nur im Büro arbeiten kann. Für die Zukunft brauche ich eine Stelle, in der ich auch aktiv unterwegs bin und viel Abwechslung habe. Ich liebe den Fußball und kann gar nicht ohne!

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Stand: 07.03.2018
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