Azubiprojekt: Digitale Ausbildung im Tischler-/Schreinerhandwerk

Tradition trifft Moderne

Digitalisierung spielt in der Berufswelt eine immer größere Rolle. Umso wichtiger ist es, sich bereits in der Ausbildung auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Das Projekt "digiTS" zeigt am Beispiel des Tischlerhandwerks, wie das aussehen kann.

Anika fertigt Teile eines Möbelstücks an der CNC-Fräse an.
Berufskolleg Bergisch Gladbach
An der CNC-Fräse fertigte Anika Teile des Aufbewahrungsmöbels als Modell an.

Auch im holzverarbeitenden Gewerbe gewinnt die digitalisierte Fertigung zunehmend an Bedeutung. Genau hier setzt die "Digitale Ausbildung im Tischler-/Schreinerhandwerk", kurz "digiTS" an. Das Projekt will Tischler-Azubis auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereiten. Für "digiTS" arbeiten die überbetriebliche Lehrwerkstatt der Handwerkskammer zu Köln, die Tischlerinnung Bergisches Land, das Berufskolleg Bergisch Gladbach sowie die Tischlerbetriebe der Region zusammen.

Ein "Möbel 4.0" entsteht

Ein Ausbilder erklärt einem Auszubildenden, wie man Holz richtig hobelt.
Berufskolleg Bergisch Gladbach
Im Tischlerhandwerk arbeitet man mit komplexen Maschinen, aber auch Handarbeit ist gefragt.

Projektidee ist, dass Azubis innerhalb von zwei Wochen ein Longboard (Skateboard) und ein dazu passendes Möbelstück für die Aufbewahrung gestalten und bauen. Entscheidend ist, dass sie alles am Computer planen und digitale Arbeitsmittel bei der Fertigung verwenden. Die Planung findet im Berufskolleg vor dem zweiwöchigen überbetrieblichen Lehrgang statt. Von den Entwürfen für das Möbel und Longboard erstellen die Jugendlichen mit einem CAD-Zeichenprogramm ein 3-D-Modell am Computer. Anschließend fertigen sie an einer CNC-Fräse computerunterstützt und vollautomatisch Teile des Möbels als Modell an und überprüfen, ob der Entwurf umsetzbar ist. Korrekturen werden von den Jugendlichen wieder am Bildschirm vorgenommen. Die Daten des am PC erstellten 3-D-Modells werden anschließend in ein spezielles Datenformat exportiert. Diese Fertigungsdaten übertragen die Azubis per USB-Stick auf die Maschinen in der überbetrieblichen Lehrwerkstatt, u.a. die CNC-Fräse. Hier werden die Umrisse, Nuten (d.h. die länglichen Vertiefungen) und Bohrlöcher gefräst. Die dekorativen Muster auf der Vorder- und Rückseite der Longboards entwerfen die Azubis wieder am PC. Die Grafiken werden an den Laserschneider übertragen, mit dem die verschiedenfarbigen Muster aus dünnen Holzschichten, Furniere genannt, ausgeschnitten werden. Was jetzt noch fehlt, ist der Bumper, d.h. die Stoßstange des Longboards. Er wird mit einem 3-D-Drucker erstellt, getreu dem PC-Modell.

Anika ist im dritten Ausbildungsjahr zur Tischlerin und hat am Projekt "digiTS" teilgenommen:

Porträt von Anika.
Berufskolleg Bergisch Gladbach
Für Anika war es schön zu sehen, wie aus dem eigenen Entwurf Realität wurde.

"Spannend beim Projekt 'digiTS' war es zu sehen, wie Technologien wie der 3-D-Druck funktionieren und was mit Maschinen möglich ist. Aufregend war auch die Übergabe der Daten aus dem CAD-Programm an die Maschinen. Bisher habe ich in der Berufsschule die CNC-Fräse programmiert und einzelne Teile gefräst. Ich konnte aber z.B. nicht mit dem Laserschneider testen, ob das, was ich da programmiert hatte, auch in der Praxis funktioniert. In diesem Projekt konnte ich nun sehen, wie die unterschiedlichen Maschinen das, was ich in der Theorie entworfen habe, auch tatsächlich herstellen. Das war toll! Ungewohnt war, beim Programmieren so lange vor dem Computer zu sitzen. Aber das regt an, bei dieser Arbeit mehr mitzudenken. Denn schließlich muss man verstehen, wie das Handwerk und die Maschinen zusammenpassen. Kreatives sowie räumliches Denken sind hier noch stärker gefragt als bisher. Denn durch die neuen Technologien wird noch deutlicher, dass es nicht immer nur eine Lösung gibt. Am Ende war es schön, mit dem Longboard und dem Aufbewahrungsmöbel etwas in der Hand zu haben, was man über einen langen Weg geplant und selbst gebaut hat."

Alles digital?

Trotz des Einsatzes hochkomplexer Maschinen und digitaler Arbeitsmittel arbeiten die Jugendlichen auch noch ganz traditionell. So ist das Verleimen und Verkleben der Furniere Handarbeit. Nach jedem Fertigungsschritt kontrollieren sie ihre Ergebnisse und arbeiten ggf. von Hand nach.

Übrigens

In manchen Regionen Deutschlands heißt der Beruf Tischler/in auch Schreiner/in.

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Stand: 19.09.2018
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