Infotext: Neues zur Didaktik der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung

Berufsbiografische Gestaltungskompetenz fördern

Die Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AGBFN) hat Projekte der Berufsvorbereitung untersucht. Im Fokus der Ansätze steht die Vermittlung einer grundlegenden Gestaltungskompetenz innerhalb der eigenen Berufsbiografie.

Eine Lehrkraft zeigt Schülerinnen etwas in einem Heft.
Einmalig zum Ende der Schulzeit für den Beruf fürs Leben entscheiden - das ist eine überholte Vorstellung.

Die für das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erstellte Veröffentlichung konstatiert: Die gegenwärtige Berufsorientierung fokussiert sich häufig auf eine einmalige Entscheidung bei der Berufsfindung. Diese erfolgt in der Regel über Matching- und Informationsprozesse sowie Beratung. Umfragen zeigen dennoch häufig eine große Zahl an Jugendlichen, die zum Abschluss der Schulzeit noch in einem Klärungsprozess stecken. Auch bereits an Berufsschulen oder beruflichen Schulen "angekommene" Jugendliche haben den Berufswahlprozess bei weitem nicht immer abgeschlossen oder sind in der gewählten Ausbildung nicht zufrieden. Dies äußert sich in hohen Abbruchquoten. Im  Berufsbildungsbericht 2018 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde eine Vertragslösungsquote von 25,8% konstatiert.

"Normalarbeitsbiografie" wird zu "dynamischer Berufslaufbahn"

Ein junger Mann trainiert mit Fitnesshanteln.
Eigene Stärken und Interessen einschätzen zu können bleibt Kernkompetenz.

Durch gesellschaftlichen Wandel, zunehmende Diversifizierung von Ausbildungswegen sowie strukturelle Umbrüche in vielen Branchen tritt die "Normalarbeitsbiografie" immer mehr in den Hintergrund. Von jungen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern wird heute lebenslanges Lernen, Flexibilität und Anpassungswillen im Arbeitsleben erwartet. Diese "dynamische Berufslaufbahn" erfordert aber grundlegende Kompetenzen im Bereich der Selbstklärung und persönlichen Zielsetzung.

Im Folgenden werden zwei Projekte vorgestellt, die diesen Herausforderungen gerecht werden möchten.

Nachhaltige Betriebspraktika

  • Schüler/innen sollen im obligatorischen Betriebspraktikum für sich selbst eine betriebliche Lernaufgabe bestimmen, diese bis zum Abschluss durchführen und die dabei gewonnenen Erfahrungen reflektieren.

Das ist Ziel des durch das Land Baden-Württemberg geförderten Entwicklungsprojekts "Stärkung der Selbststeuerungs- und Selbstlernkompetenz im Übergang von Schule in Beruf und Ausbildung".

Den Jugendlichen wird eine Mitverantwortung übertragen, welche Arten von berufstypischen Arbeitsaufgaben sie im Praktikum kennenlernen. Bei der Planung und Auswertung erhalten sie Unterstützung. Dadurch wird die Erfahrung des Praktikums aufgewertet und Selbstreflexion zu eigenen Stärken und Interessen im Bezug zu beruflichen Anforderungen angestoßen.

Mehr über das Projekt:

"Stärkung der Selbststeuerungs- und Selbstlernkompetenz im Übergang von Schule in Beruf und Ausbildung"

Förderung digitaler Medienkompetenz

  • Schüler/innen werden in der Berufsvorbereitung stärker an den Mediengestaltungsbegriff herangeführt. Mit offenen Projektideen, Portfolios und einer Auswahl digitaler Werkzeuge, die in Modulen organisiert sind, werden so beruflich relevante Handlungskompetenzen erworben.

Diese Herangehensweise wählte das BMBF-Projekt "MediaArt@Edu - Künstlerisch-technische Medienbildung in Berufsvorbereitung und Berufsorientierung: Neue Ansätze zur Förderung digitaler Medienkompetenz von Jugendlichen". Technik, auch im beruflichen Umfeld, sollte nicht als reine Qualifikationsebene wahrgenommen sondern als offenes Gestaltungselement bei den Jugendlichen etabliert werden. Neben dem Erfolg eines abgeschlossenen Projektergebnisses war ein wichtiges Element des Projekts eine Reflexion über die erworbenen Fähigkeiten und deren berufliche Relevanz.

Mehr über das Projekt:

MediaArt@Edu

Eine Lehrkraft sitzt an einem Schreibtisch und blickt in die Kamera.
Auch die Bundesagentur für Arbeit rüstet sich mit "Lebenslanger Berufsberatung" für die Zukunft.

Lebenslang Stärken und Interessen bilanzieren und prüfen

Berufsorientierung ist nicht mit dem Eintritt in die Erstausbildung abgeschlossen. Insofern setzen die vorgestellten Konzepte dort an, wo es um den Erwerb von Kompetenzen zur Selbststeuerung in der beruflichen Laufbahn Jugendlicher geht.

Bei der Berufsorientierung einen Weg von Beratung hin zu einer Begleitung und Anleitung zur Selbstbefähigung zu verfolgen, der persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt, ist somit die Marschrichtung der Zukunft.

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Stand: 06.03.2019