Glossar: Berufsvorbereitende Angebote

Worum es bei EQ & Co. geht

EQ, BvB, BVJ oder BEJ - das sind Abkürzungen für berufsvorbereitende Angebote. Innerhalb Deutschlands gibt es davon viele. Der Sinn ist immer gleich: Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sollen berufliches Grundwissen sammeln und persönliche Stärken ausbauen.

Zwei Jugendliche überprüfen die Spannung an einem Gerät.
Berufsvorbereitende Angebote wollen Jugendliche ohne Ausbildungsplatz für einen Ausbildungsbeginn fit machen.

Warum Berufsvorbereitung?

Jährlich verlassen etwa eine halbe Million Jugendliche ohne Studienberechtigung - sprich: mit und ohne Hauptschulabschluss bzw. mittlerem Bildungsabschluss - die Schule. Viele davon möchten im dualen System eine Ausbildung beginnen.

Nicht alle schaffen es. Für diese Jugendlichen bieten Bund und Länder spezielle Bildungsgänge und Programme, in denen sie ihre Berufsschulpflicht erfüllen können und auf das Berufsleben vorbereitet werden.

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Berufsvorbereitende Angebote - Gemeinsamkeiten

Alle berufsvorbereitenden Angebote verstehen sich als Starthilfe. Sie wollen Jugendliche ohne Ausbildungsplatz für einen Ausbildungsbeginn - spätestens im nächsten Ausbildungsjahr - fit machen. Je nach Schwerpunkt und Zielgruppe

  • geben sie Hilfe bei der beruflichen Orientierung/der Berufswahl,
  • vermitteln sie Grundbildung in einem Beruf/in einem Berufsfeld,
  • fördern sie die Ausbildungsreife,
  • ermöglichen sie das Nachholen von Schulabschlüssen.

Die Dauer ist in der Regel auf ein Jahr begrenzt. Jede Maßnahme kann bei Aufnahme einer Ausbildung vorzeitig verlassen werden.

Bildung ist Ländersache

Bildungspolitik ist in Deutschland die Sache der Länder. Deshalb gibt es nicht jedes berufsvorbereitende Angebot in jedem Bundesland. Die verschiedenen Angebote in den Ländern sind oft namentlich unterschiedlich, inhaltlich jedoch ähnlich.

Die Angebote in alphabetischer Reihenfolge:

AV - Ausbildungsvorbereitung / AVD - Ausbildungsvorbereitung Dual / AVBG - Ausbildungsvorbereitender Bildungsgang

Die AV gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein, die AVD in Baden-Württemberg, den AVBG in Bremen. Die Angebote sind zur beruflichen Orientierung für Jugendliche gedacht, die nach Abschluss oder Abgang aus der allgemeinbildenden Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und finden an berufsbildenden Schulen statt. Je nach Bildungsgang ermöglicht die AV auch das Nachholen eines Schulabschlusses, der dem Hauptschulabschluss gleichwertig ist.

BEJ - Berufseinstiegsjahr

Das BEJ gibt es in Baden-Württemberg und Bayern. Das BEJ richtet sich speziell an Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, aber mit Hauptschulabschluss. Ihnen werden Inhalte des ersten Ausbildungsjahres aus einem Berufsfeld vermittelt. In Vorbereitung auf die Ausbildung wird außerdem Mathe, Deutsch und Sozialkompetenz unterrichtet. An zwei Tagen der Woche besuchen die Jugendlichen ein Praktikum. Das BEJ findet an berufsbildenden Schulen statt.

BEK - Berufseinstiegsklasse

Die BEK gibt es in Niedersachsen. Ziel dieses Angebots ist das Nachholen bzw. Verbessern des Hauptschulabschlusses. Die BEK will Basiswissen in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie soziale Kompetenzen stärken. Die Teilnehmer/innen können Qualifizierungsbausteine im berufsbezogenen Unterricht erwerben. Praktika zu leisten, ist obligatorisch. In der kooperativen Form kann die Fachpraxis in einem Betrieb kennengelernt werden. Die Anmeldung erfolgt direkt an der Schule (meist über spezielle Anmeldeformulare).

BGJ - Berufsgrundbildungsjahr

Das BGJ gibt es in Bayern, Bremen, Sachsen, Schleswig-Holstein und im Saarland. Es richtet sich an Jugendliche, die bereits einen Hauptschulabschluss haben. Es vermittelt praktisches und theoretisches Grundlagenwissen in einem Berufsfeld. Der Unterricht wird auf Grundlage der für dieses Berufsfeld geltenden Rahmenlehrpläne erteilt. Das BGJ kann auf eine spätere Ausbildung angerechnet werden, wenn Betrieb und Auszubildender es so vereinbaren. Das BGJ findet an berufsbildenden Schulen statt. In der dualisierten Form ist auch der Wechsel zwischen Schule und Betrieb möglich. Praktikumsphasen gehören obligatorisch zum BGJ. Die Anmeldung erfolgt direkt bei der Schule.

Ein Mädchen arbeitet in einer Werkstatt.
Bei EQ & Co. können Jugendliche ohne Ausbildungsplatz berufliches Grundwissen sammeln.

BQL VZ - Berufsqualifizierender Lehrgang in Vollzeitform

Der BQL VZ wird in Berlin angeboten. Er findet in Vollzeit an berufsbildenden Schulen in Berlin bzw. dem Berliner Oberstufenzentrum statt. Die Jugendlichen wählen ein Berufsfeld und erhalten darin eine berufliche Grundbildung. Ein dem Hauptschulabschluss gleichwertiger Abschluss kann erworben werden. Die Anmeldung muss fristgerecht erfolgen - über ein Formular oder online.  

BvB - Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme

Die BvB ist ein bundesweit gültiges Angebot der Bundesagentur für Arbeit. Sie wird an Jugendliche vermittelt, die zu einer erfolgreichen Berufswahl noch Orientierung nötig haben. In der BvB werden berufliches Wissen in einem Berufsfeld und Schlüsselkompetenzen für den Berufsalltag vermittelt. Dabei werden die individuellen Defizite jedes Teilnehmers/jeder Teilnehmerin berücksichtigt. Das Nachholen des Hauptschulabschlusses ist möglich. Die BvB dauert in der Regel zehn Monate. Sie wird von Trägergesellschaften, z.B. Jugendhilfeeinrichtungen, durchgeführt. Betriebliche Praktika sind obligatorisch. Es kann auch die Berufsschule besucht werden.

BVJ - Berufsvorbereitungsjahr

Das BVJ gibt es in fast allen deutschen Bundesländern, außer in Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Es richtet sich speziell an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss. Der fehlende Abschluss kann im BVJ erworben werden. Teilnehmer/innen lernen außerdem Theorie und Praxis eines oder mehrerer Berufsfelder kennen. Sie absolvieren zusätzlich Praktika. Das BVJ findet an berufsbildenden Schulen statt. In einigen Bundesländern gibt es spezielle BVJ für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Zwei Jugendliche sitzen in einem Klassenzimmer und lernen.
Bei einer BvB, einem BVJ oder bei dem JoA können Jugendliche z.B. den Hauptschulabschluss erwerben.

EQ - Einstiegsqualifizierung

Die Einstiegsqualifizierung gibt es in allen Bundesländern. Die EQ ist ein Langzeitpraktikum, das  zwischen sechs und zwölf Monaten dauert. Es wird in einem Betrieb durchgeführt, der als EQ-Betrieb bei der Agentur für Arbeit gelistet ist. Jugendliche lernen in der EQ den Stoff des ersten Ausbildungsjahres im Betrieb. Alle vermittelten Fähigkeiten werden vom Betrieb bescheinigt. Ein begleitender Besuch der Fachklasse an einer berufsbildenden Schule ist möglich. Die Bausteine der EQ können für eine spätere Ausbildung anerkannt werden.

JOA - Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gibt es an Berufsschulen in Bayern.
Das JOA dauert ein Jahr. Den Jugendlichen werden in Modulen berufsfeldbezogene und persönliche Kompetenzen vermittelt. Die Berufsschulen erstellen Zeugnisse, die über den Leistungsstand und den Inhalt des Unterrichts informieren.

QuAS - Qualifizierung und Arbeit für Schulabsolventen

QuAS richtet sich an Jugendliche, die ihren Wohnsitz in Hamburg und bereits einen Berufswunsch haben. Es ist ein mehrmonatiges Betriebspraktikum mit begleitendem berufsvorbereitendem Unterricht an einer Berufsschule. Jugendliche ohne Schulabschluss können bei guten Leistungen einen Hauptschulabschluss nachholen. Kontakt wird über das Hamburger Institut für berufliche Bildung aufgenommen.

PuSch - Praxis und Schule

PuSch ist ein Angebot zur Berufsvorbereitung an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in Hessen. Es richtet sich an benachteiligte Jugendliche mit Lern- und Leistungsdefiziten. Die Jugendlichen können Qualifizierungsbausteine aus den Ausbildungsrahmenplänen anerkannter Ausbildungsberufe und den Hauptschulabschluss erwerben. Projekte und Praktika sind wichtige Bestandteile von PuSch.

Hilfestellung für Ihr Kind sein

Wenn Ihr Kind vor dem Bewerbungsprozess steht, sind auch Sie als Eltern gefragt. Ermuntern Sie Ihr Kind frühzeitig, sich mit dem Thema Bewerbung auseinanderzusetzen, gehen Sie gemeinsam auf das Bewerbungstraining und üben Sie.

Sollte es mit dem Ausbildungsplatz trotzdem nicht klappen, helfen Sie Ihrem Kind dabei, das passende berufsvorbereitende Angebot zu finden und helfen Sie bei der Anmeldung. Unterstützung finden Sie bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

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Stand: 22.02.2017
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