Interview: Das Angebot der Berufseinstiegsbegleitung

"Ein Fels in der Brandung"

Diplom-Sozialpädagogin Ute Berg ist als Berufseinstiegsbegleiterin an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung tätig. Im Interview erläutert sie, was Berufseinstiegsbegleitung (BerEb) und Eltern in der Berufswahlphase leisten können.

Ein Elternpaar informiert sich mit seiner Tochter über die Berufseinstiegsbegleitung.
Eltern können die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung aktiv unterstützen.

planet-beruf.de: Wie finden Schüler/innen zu Ihnen?

Ute Berg: Die Bedarfe werden durch die Schule festgestellt. Die Lehrer/innen kommen auf mich zu und ich suche direkt das Gespräch mit dem/der Schüler/in und stelle die Maßnahme der Agentur für Arbeit vor. Das Betreuungsangebot wird ab der 8. Klasse gewährt und ist kostenfrei. Das ist auch gut so, weil viele Familien finanziell nicht gut ausgestattet sind. Den Kontakt zu den Eltern nehme ich dann auf, wenn klar ist, dass der/die Jugendliche an der Maßnahme teilnehmen möchte und der/die dafür zuständige Sachbearbeiter/in der Agentur für Arbeit dem zugestimmt hat. Ich vereinbare Gesprächstermine. Die Eltern müssen mit der Betreuung einverstanden sein und deshalb zu Beginn eine Einverständniserklärung unterzeichnen.

Porträt von Ute Berg
Handwerks-Bildungsstätten, Lüdinghausen
Ute Berg - Diplom-Sozialpädagogin und Berufseinstiegs-begleiterin

planet-beruf.de: Welche Erfolge können Jugendliche dank der BerEb erlangen und wie gestaltet sich eine Patenschaft?

Ute Berg: Das erste Ziel ist der Schulabschluss, das zweite Ziel, dass Perspektiventwicklung gelingt und der/die Jugendliche in einer Maßnahme, einer Berufsausbildung oder in einer weiterführenden Schule verbleibt. Während des Schulbesuchs arbeite ich mit den Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Internetportalen, die berufliche Orientierung ermöglichen. Wir besichtigen Betriebe und der/die Jugendliche macht natürlich Praktika, um die Arbeitswelten in verschiedenen Berufen kennenzulernen. Auch die Unterstützung im Schulalltag spielt eine wichtige Rolle: Ich stehe in enger Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und Schulsozialarbeitern bzw. -sozialarbeiterinnen.

planet-beruf.de: Weshalb ist es wichtig, die Jugendlichen auch nach dem Schulabschluss weiter zu begleiten?

Ute Berg: Ziel der Nachbetreuung ist, dass die Jugendlichen in den Betrieben, der Ausbildung oder Maßnahme verbleiben und auch dann weiterhin eine/n feste/n Ansprechpartner/in haben, der/die ihnen Stabilität und Sicherheit vermittelt und ein Fels in der Brandung ist. Zusätzlich zu den Gesprächen mit den Jugendlichen nehme ich immer wieder Kontakt zu den Betrieben und Lehrkräften auf und höre, wie der Stand der Dinge wirklich ist, weil die Jugendlichen manchmal auch nicht von allen Problemen erzählen.

Gerade für Förderschüler/innen ist es ein großer Schritt, in die "reale" Welt hinaus zu gehen. Eine Förderschule ist ein sehr geschützter Rahmen. Der Schritt z.B. in eine Berufsschulklasse zu gehen, in der statt vier Schülern 20 Schüler sind, ist für viele angstbesetzt.

planet-beruf.de: Wie können Sie durch Eltern Unterstützung erfahren?

Ute Berg: Es ist wichtig, dass Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv mitarbeiten, indem sie darauf achten, dass ihr Sohn bzw. ihre Tochter regelmäßig die Schule besucht und zuhause die Hausaufgaben erledigt und lernt. Gleiches gilt in der Nachbetreuungsphase für den Besuch von Ausbildungsbetrieb, Berufsschule etc.

Das große Interesse und die hohe Bereitschaft an einer BerEb stelle ich immer wieder fest. Die Eltern sind froh, wenn ich mit ihnen in Kontakt trete! Daran merke ich auch, wie wichtig die Unterstützung ist - sowohl organisatorisch als auch emotional. Besonderer Bedarf herrscht in Förderschulen, weil die Schüler/innen dort nicht so motiviert sind, selbst in Aktion zu treten und sich um berufliche Perspektiven zu kümmern.

planet-beruf.de: Wie gehen Sie vor, wenn es mit einem Ausbildungsplatz nicht geklappt hat?

Ute Berg: In solchen Fällen bin ich intensiv mit dem/der Jugendlichen in Kontakt. In regelmäßigen Treffen suchen wir sofort neue Ausbildungsplätze oder wägen ab, ob Maßnahmen wie eine Einstiegsqualifizierung (EQ) infrage kommen. Es ist wichtig, die jungen Menschen sofort aufzufangen und Alternativen aufzuzeigen.

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Stand: 09.09.2015
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