Bericht: Ausbildung mit Hörbehinderung

So normal wie möglich - so speziell wie nötig

Jugendlichen mit Hörbehinderung stehen grundsätzlich alle Ausbildungsberufe offen, die ihren jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen. Mit technischer und personeller Unterstützung können sie zumeist jede Ausbildung absolvieren.

Ein Gebärdensprachdolmetscher beim Übersetzen
Eine reguläre duale bzw. schulische Ausbildung kann man z.B. mit Hilfe von Gebärdensprachdolmetschern/-dolmetscherinnen absolvieren.

Hörbehinderte Menschen haben es aufgrund ihrer eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten oft nicht leicht, auf dem freien Arbeitsmarkt ihren Platz zu finden. Umso wichtiger ist es für sie, eine fundierte berufliche Ausbildung in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zu absolvieren. Dabei stehen ihnen verschiedene Möglichkeiten offen.

Zwei Personen stehen in einem Werkraum.
Hörbehinderten Jugendlichen kann zur Entlastung eine Begleitperson zur Seite gestellt werden.

Alles regulär: duale bzw. schulische Ausbildung

Ihr Kind bewirbt sich wie jede/r Normalhörende für einen Ausbildungsplatz an einer Berufsfachschule oder in einem Unternehmen, arbeitet im Betrieb mit und besucht eine reguläre Berufsschule. Als Ausgleich für die behinderungsbedingten Nachteile gibt es das Recht auf einen sogenannten Nachteilsausgleich. Das bedeutet, dass die Ausbildung angepasst werden kann, z.B. was Umfang und Dauer oder den Einsatz von Hilfsmitteln betrifft. Das können technische Hilfsmittel wie Telefonverstärker, Vibrationsmelder oder optische Signalgeber sein; aber auch personelle Unterstützung etwa durch Gebärdensprachdolmetscher/innen ist möglich.

Bei den Prüfungen können hörbehinderte Teilnehmer/innen einen Nachteilsausgleich in Form einer Prüfungsmodifikation geltend machen, u.a. für die Dauer der Prüfung oder die Zulassung von Hilfeleistungen Dritter, wie Gebärdensprachdolmetscher/-innen. Insbesondere die Umformulierung der Prüfungsaufgaben in verständliche Schriftsprache ist eine häufig genutzte und zuverlässige Prüfungsmodifikation nicht nur bei hörbehinderten Auszubildenden.

Wer im Betrieb Unterstützung braucht, für den gibt es die begleitete betriebliche Ausbildung (bbA). Der Betrieb erhält z.B. Unterstützung bei Durchführung und Organisation der Ausbildung und Hilfe im Umgang mit behinderungsbedingten Besonderheiten. Der Auszubildende bekommt u.a. Entlastung beim Lernen der theoretischen Inhalte und eine Begleitperson zur Seite gestellt.

Wer in der Berufsschule nicht mitkommt oder Unterstützung beim Lernen braucht, kann auch sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) beantragen. Das können z.B. Sprachunterricht oder Förderung bei der Prüfungsvorbereitung sein, aber auch Hilfestellungen bei Problemen im sozialen Umfeld (beispielsweise im Betrieb oder mit den Eltern).

Ein Mann erklärt einer jungen Frau einen Sachverhalt am Computer.
Bei einer Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) unterstützen speziell ausgebildete Lehrkräfte die hörbehinderten Jugendlichen.

Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)

Manchmal ist eine Ausbildung in einem Betrieb auch mit Unterstützung nicht möglich. Dann kann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen die Ausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung stattfinden. Dort gibt es speziell ausgebildete Lehrkräfte und Förderunterricht. Angeboten wird Nachhilfe in verschiedenen Fächern, Prüfungsvorbereitung und Unterstützung bei persönlichen Problemen.

Ausbildung für Menschen mit Behinderungen

Ist eine reguläre Ausbildung aufgrund der Behinderung nicht möglich, gibt es besondere Ausbildungsregelungen, z.B. zum/zur Fachpraktiker/in, Werker/in oder Helfer/in. Diese orientieren sich an regulären Ausbildungsberufen, allerdings liegt der Schwerpunkt mehr auf die Praxis statt auf der Theorie. Eine solche Ausbildung ist nur in Absprache mit der zuständigen Arbeitsagentur und Kammer möglich.

Ausbildung und Berufsschule am Berufsbildungswerk für Hörgeschädigte (BBW)

Wenn eine Ausbildung in einem Betrieb nicht möglich ist, sind Berufsbildungswerke (BBW) als überregionale Ausbildungsstätten der beruflichen Rehabilitation ein optimaler Lernort. Sie haben sich in der Regel auf ausgewählte Zielgruppen, wie z.B. Hör- und Sprachgeschädigte, spezialisiert. Hier wird jungen Erwachsenen mit Behinderungen und Rehabilitanden eine Ausbildung in vielen staatlich anerkannten Ausbildungsberufen ermöglicht.

Ideale Ansprechpartner/innen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sind bei allen Fragen die Reha/SB-Beraterinnen und -Berater der Agenturen für Arbeit. Weitere Informationen finden Sie unter

www.arbeitsagentur.de >> Menschen mit Behinderungen

 

Eine Übersicht über die Ausbildungsberufe für Menschen mit Behinderungen gibt es hier:

Übersicht der Ausbildungsberufe für Menschen mit Behinderung

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Stand: 10.01.2018