Rechte und Pflichten im Praktikum

Was ist im Praktikum erlaubt - was nicht?

Bei Praktika bekommen Jugendliche einen ersten direkten Einblick in die Berufswelt. Ob es sich um von der Schule durchgeführte "Schülerbetriebspraktika" handelt oder es ein selbst organisiertes Praktikum in den Ferien ist, einige grundlegende Dinge müssen dabei beachtet werden. Denn nicht alle Arbeiten sind für Schüler/innen erlaubt.

Die Redaktion von planet-beruf.de sprach darüber mit Michael Vornweg, der bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen in Münster für die Berufsbildung zuständig ist.

planet-beruf.de: Welche Arbeiten sind für Schüler/innen im Schülerpraktikum nicht erlaubt?

Herr Vornweg: Verboten sind Arbeiten, die die physische und psychische Leistungsfähigkeit von Schülern und Schülerinnen übersteigen. 

planet-beruf.de: Was ist damit genau gemeint? Können Sie Beispiele nennen?

Herr Vornweg: Darunter sind z.B. Arbeiten zu verstehen, wie das Heben, Tragen und Bewegen schwerer Lasten; Arbeiten, bei denen dauerndes Stehen erforderlich ist; Arbeiten mit erzwungener Körperhaltung und Arbeiten mit einem hohen Maß an Verantwortung.

planet-beruf.de: Was ist die zulässige maximale Arbeitszeit?

Herr Vornweg: Hier muss man unterscheiden zwischen denjenigen, die noch unter 15 Jahren sind und denjenigen, die zwischen 15 und 18 Jahren sind. Diejenigen, die unter 15 Jahren sind, haben eine Arbeitszeit, die allenfalls sieben Stunden betragen darf. Sind die Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahre alt sind, dürfen sie acht Stunden arbeiten.

Runde Uhr, Zeiger stehen auf 8 Uhr.
Nach 20 Uhr ist Schluss mit dem Praktikum, aber es gibt auch Ausnahmen.

planet-beruf.de: Gibt es Ausnahmen, z.B. abends arbeiten oder Schichtarbeit?

Herr Vornweg: Ja, zulässige Schichtzeiten gibt es z.B. im Gastgewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Tierhaltung. Es muss aber auch hier sichergestellt werden, dass eine Ruhepause von mindestens zwölf Stunden nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit gegeben ist und ansonsten eine Ruhepause zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr des nächsten Morgen stattfindet. Ausnahmen gibt es hier bei Schülern und Schülerinnen, die über 16 Jahre sind: Die dürfen z.B. im Gaststätten- und Schaustellergewerbe bis 22 Uhr bzw. in mehrschichtigen Betrieben bis 23.00 Uhr beschäftigt werden. Schüler/innen über 17 Jahren in Bäckereien dürfen auch morgens ab 4.00 Uhr beschäftigt werden. Diese Ausnahmen sind klar geregelt.

planet-beruf.de: Was sollten Schüler tun, die während des Praktikums krank werden?

Herr Vornweg: Während der Zeit des Schülerbetriebspraktikums gehören sie ja weiterhin der Schule an. Das heißt, die Schüler sollten umgehend die Schule informieren, dass sie krank geworden sind und dass das Praktikum eventuell nicht fortgesetzt werden kann. So kann die Schule dann den Betrieb informieren. Oder der Schüler setzt sich auch gleichzeitig mit dem Unternehmen in Verbindung. Das ist für alle Seiten ein faires Miteinander.

Paragraphen-Zeichen

planet-beruf.de: Bekommen die Schüler eine Vergütung?

Herr Vornweg: Es wird keine Vergütung gezahlt. Vielfach ist es aber so, dass von den Praktikumsbetrieben - ohne eine Rechtsverpflichtung - eine Anerkennung erfolgt, z.B.dass von dem Praktikumsbetrieb ein Gutschein für einen Warenkauf übergeben wird.

planet-beruf.de: Welche Unterschiede gibt es zum selbst organisierten Ferienpraktikum?

Herr Vornweg: Das wesentliche Merkmal des Schülerbetriebspraktikums liegt ja darin, dass es eingebettet ist in den Unterricht und von daher auch im Unterricht vor- und nachbereitet wird und durch die Schule während des Praktikums eine Betreuung erfolgt. Wohingegen ein Ferienpraktikum ja in aller Regel nicht in den Unterricht eingebettet ist und hier praktisch eine Absprache zwischen dem Betrieb und dem jeweiligen Schüler bzw. Jugendlichen beinhaltet.

planet-beruf.de: Können Schüler/innen in ihrem Praktikum eine Arbeitskraft ersetzen?

Herr Vornweg:
Nein, ein Schüler ist sicherlich keine Ersatzarbeitskraft. Sinn und Zweck eines Praktikums ist ja, dass man die Arbeitswelt und die Anforderungen in einem Beruf kennen lernt. Deshalb halte ich es auch für wichtig, dass solche Praktika immer in enger Abstimmung mit der Schule durchgeführt werden. Und wenn da entsprechende Dinge erkennbar sind, muss auch entsprechend reagiert werden.

planet-beruf.de: Wie üblich sind die von Ihnen bei der IHK Nord Westfalen eingesetzten Dokumente "Praktikantenpass", "Beurteilungsbogen" und "Praktikums-Urkunde"?

Herr Vornweg:
Das sind Aktivitäten, die aus der regionalen Wirtschaft entstanden sind. Es gibt dazu keine gesetzliche Verpflichtung, aber es ist erkennbar, dass diese Dinge, wie z.B. der Praktikantenpass, im Kommen sind. Es erhöht die Transparenz: Die Schüler können nachweisen, dass ein Praktikum abgelegt worden ist, in welchem Bereich es absolviert wurde, welche Kenntnisse und Fertigkeiten sie erlangt haben, was sie da gemacht haben. Solche zusätzlichen Informationen können sich später bei einer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz vorteilhaft bemerkbar machen.

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Stand: 13.08.2008
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